Rückrufaktion beim ThreeWheeler ???

Rückrufaktionen haben weltweit bei den Automobilherstellern – leider – eine lange Tradition. Kaum ein Unternehmen, das noch nicht betroffen war. Häufig handelt es sich um elektronische Probleme. Dramatisch wird die Situation natürlich, sobald Menschen aufgrund der Defekte ihr Leben lassen müssen. Autos brennen ohne Grund ab. Bremsen versagen ihren Dienst. Airbags lösen aus heiterem Himmel aus… Oder der Hersteller installiert eine Schummel-Software, um Abgasvorschriften einhalten zu können. Gut, dabei gibt es zumindest keine akuten Todesfälle. Peinlich ist so ein Verhalten trotzdem.

Bislang blieben Morgan solche Peinlichkeiten erspart. Immer mal wieder traten leichte Qualitätsmängel auf. Daran haben wir Morgan-Besitzer uns mittlerweile gewöhnt. Schließlich fahren wir das Werk reiner Handarbeit. Etwas dramatischer waren diese Qualitätsmängel allerdings bei den aktuellen ThreeWheelern der ersten Jahrgänge. Morgan hatte schlichtweg den Fehler begangen, den Wagen auf den Markt zu bringen, bevor er wirklich Serienreife erlangt hatte. Etwas, was zukünftig übrigens nicht mehr vorkommen  soll…

Prototyp im Morgan-Werk

Prototyp im Morgan-Werk

Dennoch gab es bei Morgan bislang keinen wirklich ernsthaften Grund für eine Rückrufaktion. Auch in dem vorliegenden Fall haben bisher weder die Sunday Times, der Spiegel, die BILD, noch die einschlägigen Auto-Zeitschriften von einer Rückrufaktion berichtet. Was also liegt an?

Bei einem Threewheeler soll am Rahmen nahe der Vorderachse ein Haarriss aufgetreten sein. Womöglich, weil dieser Wagen auch häufiger rennmäßig bewegt wurde? Warum auch nicht – schließlich sind alle Morgan reinrassige Sportwagen, die danach lechzen, artgerecht über die Strecke gejagt zu werden. Was übrigens auch – oder gerade – beim Threewheeler ausgesprochen viel Vergnügen bereitet (siehe Blogbeitrag http://www.morgan-news.de/fahrbericht-three-wheeler/).

Diesen offensichtlichen Einzelschaden nahm Morgan dennoch zum Anlass, alle englischen Kunden, die einen neuen Threewheeler der ersten Jahrgänge 2011 bis 2013 besitzen, anzuschreiben, und sie aufzufordern „bei Gelegenheit“ in einer Morgan-Werkstatt vorbeizuschauen. Dort solle an der bewussten Stelle eine Aussteifung des Rahmens vorgenommen werden. Kein große Sache – die Händler können dem Werk jeweils zwei Arbeitsstunden in Rechnung stellen. Gleichwohl stellt sich die Frage, weshalb nur die englischen Kunden angeschrieben wurden. Bewegen die ThreeWheeler-Kunden auf dem Festland ihre Autos etwa nicht artgerecht? Mittlerweile sind die Informationen über den potentiellen „Defekt“ jedoch per Buschfunk auch auf den Kontinent gelangt.

Die Stelle ist schlecht zu sehen

Die Stelle ist schlecht zu sehen

In der Bundesrepublik gibt es für solche Fälle eine Behörde, die von Amts wegen derartigen Gerüchten nachgeht: das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Natürlich hat es sich auch in diesem Fall eingeschaltet und die Sachlage überprüft. Das KBA sah aber keinen Grund, regulativ einzuschreiten. Morgan – hier: die deutschen Importeure – sollten die Angelegenheit nach eigenem Ermessen regeln. Diese Regelung sieht inzwischen so aus, dass die Fahrer eines ThreeWheelers der ersten drei Jahrgänge im Rahmen eines regulären Werkstattaufenthalts die Rohrversteifung erhalten, die die späteren Jahrgänge ab 2014 ohnehin haben. In Deutschland ist übrigens bislang kein Fall eines Haarrisses an dieser Stelle bekannt geworden.

Und nein: Es handelt sich nicht um eine Rückrufaktion aller ThreeWheeler! Die ThreeWheeler-Besitzer können also weiterhin beruhigt die warmen Temperaturen dieses Pseudo-Winters nutzen, um so richtig Gas zu geben.

Auch meine Frau genoss die Testfahrt

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Habt einfach Spaß!