Frontansicht des Plus 4 Plus

Frontansicht des Plus 4 Plus

Alles hätte so schön sein können… Die Morgan 4/4 und Plus 4 verkauften sich ganz ordentlich. Und die treuen Anhänger der skurrilen Automarke aus Malvern Link akzeptierten die Firmenphilosophie, nach der bei Morgan nichts verändert wird, was sich bewährt hat. So wurde der erste vierrädrige Morgan 4/4 im Jahre 1936 dankbar aufgenommen und 1954 ganz behutsam dem Zeitgeist angepasst. Integrierte Scheinwerfer und ein abgerundeter Kühlergrill mussten schon sein – in Zeiten einer Corvette oder eines Mercedes SL.

Der erste Morgan mit richtigem Kofferraum

Der erste Morgan mit richtigem Kofferraum

Doch eigentlich ging Peter Morgan das Facelift noch nicht weit genug, und er prophezeite der Serie II keine lange Lebenszeit. Heute wissen wir alle, dass er sich damals gründlich irrte… In seinen Augen musste ein gänzlich neues Modell her, um bei der zunehmenden Konkurrenz durch Lotus, TVR, Triumph, MG und Konsorten in der Sportwagenliga mithalten zu können. Da bei Morgan der Absatz der Wagen auf dem wichtigen US-Markt schwächelte und Kunststoffkarosserien bei Sportwagen „en vogue“ waren, startete auch Morgan 1963 den Versuch, nach 1936 ein gänzlich neues Modell auf den Markt zu bringen. Den Plus 4 Plus. Weil bei Morgan Kunststoffkarosserien nicht gerade eine lange Tradition vorzuweisen hatten, wurde die Karosserie bei einem Zulieferer (EB Ltd.) bezogen. Unter der strömungstechnisch durchaus gelungenen Kunststoffhaut werkelten Chassis, Motor und Fahrwerk des Plus 4. Im Prinzip keine schlechte Idee, die 1963 auf der „London Motor Show“ präsentiert wurde. Und der Wagen hatte durchaus Potenzial. Er war – bei aller Sportlichkeit – nicht ohne jeglichen Komfort. Der erstmals ausgewiesene Kofferraum plus Stauraum hinter den Sitzen prädestinierte ihn als klassischen GT sogar für längere Strecken. Unglücklich nur, dass er kaum Käufer fand. Vielleicht lag es daran, dass er ca. 50% teurer war als der traditionelle Plus 4? Jedenfalls fand er während seiner gesamten Produktionszeit bis 1967 nur 26 Käufer. Dann hatte Peter genug, und er stellte die Produktion wieder ein.

Heutzutage avancierte er jedoch zum wohl begehrtesten „Gebrauchten“ unter den Morgan Modellen! Edi Stampfel recherchierte für Ausgabe 1 – 2013 der Morgan-Post in mühevoller Kleinarbeit, wo die 26 Exemplare geblieben sind und fand heraus, dass noch 23 von ihnen existieren müssten. Von allen stellte er Bilder und Informationen bereit. So auch von der Nummer 15 von 26 (mit Chassis-Nummer A 5686), einem schwarzen Exemplar, das damals für 69.959 Pfund von der Firma Techniques zum Verkauf angeboten wurde.

Wunderschöne Speichenräder

Wunderschöne Speichenräder

Als ich überraschend von Sandra Kowalski, einer guten Bekannten und Morgan-Fahrerin, die in Brügge einen schwunghaften Handel mit Oldtimern betreibt, hörte, dass sie einen Morgan Plus 4 Plus erstanden hatte, war ich natürlich extrem gespannt. Bot sich mir doch dadurch die Gelegenheit, eine solche Rarität ganz in Ruhe in Augenschein und auch mal selbst hinter dem Lenkrad Platz zu nehmen. Da ich weiß, dass sie regelmäßig auf der Techno Classica ihre Autos präsentiert, besuchte ich sie umgehend auf ihrem Stand. Eine solche Chance lässt man sich als Morgan Fahrer sicher nicht entgehen!

Innenraum Morgan Plus 4 Plus

Innenraum Morgan Plus 4 Plus

Das Ergebnis findet Ihr hier.