Das Making of des Making of – das ist kein Druckfehler. Wir wollten einfach zu Papier bringen, wie wir dieses Projekt geplant und realisiert haben, dessen Ergebnis wir seit genau 5 Minuten in den Händen halten.

Die Idee schwelte in unseren Hirnen seit Ende 2012: ein Buch zu schreiben über die Entstehung eines Morgan. Das hatte vor uns noch niemand getan. Solange Charles Morgan bei Morgan das Zepter führte, konnten wir dieses Ansinnen allerdings vergessen. Denn da die Idee nicht von ihm kam, hätte er das Buch nie befürwortet – schon gar nicht, wenn es sich um Autoren vom Kontinent handelte:

„For heaven’s sake, what do those bloody Germans know about Morgan? “

Charles und Steve auf dem Genfer Autosalon 2013

Charles und Steve auf dem Genfer Autosalon 2013

Aber – welch Glückes Geschick – Anfang 2013 erfolgte die Staffelübergabe an Steve Morris, und der ist deutlich flexibler in Bezug auf solche Impulse. Diesen Eindruck hatte ich jedenfalls, als ich ihn erstmals 2013 auf dem Genfer Autosalon traf.

Also entwickelten wir zunächst ein Konzept, selbstverständlich in englischer Sprache formuliert und wertig gedruckt.

Morgan Buch The Making of Englisch

Morgan Buch The Making of Englisch

Das präsentierte ich Steve ein Jahr später – wieder in Genf. Zu meinem großen Erstaunen benötigte er für seine Zustimmung keine fünf Minuten. Der erste Schritt war also geschafft!

Jetzt galt es, sich Gedanken über Format und Inhalt des Buches zu machen, denn wir wollten es diesmal nicht über unseren eigenen Verlag, den Hanseatischen Buchverlag, herausgeben, sondern – um auf die entsprechenden Stückzahlen zu kommen – uns einen Partner suchen, der über internationale Vertriebskanäle verfügt.

Malvern 1860 und heute

Malvern 1860 und heute

Unsere Vorstellung war: großes, möglichst quadratisches Format; ca. 160 Seiten stark, von denen ca. 2/3 auf die Beschreibung des Fertigungsprozesses entfallen sollten. Der Rest ein wenig Historie – natürlich nicht zu viel, da darüber schon zahlreiche Bücher auf dem Markt erschienen sind. Möglichst viele eindrucksvolle Fotos – mindestens 300 – und auf alle Fälle auch zusätzlich eine englischsprachige Ausgabe. Dazu natürlich ein sehr edles Layout sowie eine gute Ausstattung.

Leseprobe Englisch

Leseprobe Englisch

Jetzt mussten wir nur noch einen Verleger finden, der das Projekt mit uns realisieren würde. Spontan fielen uns zwei Verlage ein: Delius Klasing in Bielefeld / Hamburg und der HEEL-Verlag in Königswinter.

Letztlich machte der HEEL-Verlag das Rennen, weil Franz Christoph Heel unsere Vorstellungen weitestgehend befürwortet hatte. Zu weiteren Abstimmungsgesprächen besuchte ich ihn also in Königswinter und lernte bei der Gelegenheit auch unseren zuständigen Lektor sowie die Verantwortliche für die Lizenzen kennen. Unser Konzept wurde nun folgendermaßen umgesetzt:

Das Buch im nahezu quadratischen Format (290 X 245 mm) sollte als deutschsprachige Ausgabe bei HEEL erscheinen. Für die englischsprachige Version wurde ein Lizenzpartner angestrebt. Auch wünschte sich der HEEL-Verlag unbedingt einen historischen Einstieg in das Thema – mit vorgegebenem Umfang. Da die Historie bekanntlich bereits stattgefunden hatte, konnten wir diesen Abschnitt schon vor unserer Englandreise vorbereiten.

Also – die meisten Hürden waren im Herbst 2014 genommen. Das Morgan Werk hatte zugestimmt und der Vertrag mit dem HEEL-Verlag war unterzeichnet. Jetzt ging es in die Detailplanung: Was wäre der richtige Zeitpunkt für die Reise ins Werk? Welchen Morgan wollten wir dort begleiten? Welchen Zeitrahmen mussten wir einplanen? Wo wollten wir übernachten? Wie sollte die Aufgabenteilung zwischen Dagmar und mir aussehen? Welches Budget mussten wir aufbringen?

Doch auch für diese Fragen fanden wir schnell die passenden Antworten. Da das Buch im Herbst, pünktlich vor dem Weihnachtsgeschäft, auf dem Markt erscheinen sollte, durften wir nicht zu spät nach England fahren. Aber das Wetter sollte schon mitspielen. Unsere Wahl fiel auf den Wonnemonat Mai. Beschreiben wollten wir auf alle Fälle ein traditionelles Modell. Am liebsten einen 4/4 oder einen Plus 4. Das sind bei Morgan immer noch die Klassiker. Die Produktionszeit sollte nach Auskunft des Werkes 15 Arbeitstage betragen. Aber wir kennen ja Morgan und planten vorsichtshalber bis zu vier Tage mehr ein. Insgesamt würden wir also den gesamten Mai unterwegs sein. Das ist wohl dann das, was man hinlänglich als Arbeitsurlaub bezeichnet.

Unser Morgan vor dem Foley Arms Hotel

Unser Morgan vor dem Foley Arms Hotel

Bei der Wahl unseres Hotels verließen wir uns auf Empfehlungen des Werkes: das Foley Arms Hotel in Malvern (http://www.jdwetherspoon.co.uk/home/pubs/the-foley-arms-hotel). Wie sich sehr schnell herausstellte, eine sehr gute und preiswerte Lösung.

Blick ins Zimmer - das Bett ist super-bequem

Blick ins Zimmer – das Bett ist super-bequem

Ausblick aus dem Valley-Room

Ausblick aus dem Valley-Room

Zwischenzeitlich hatte Franz-Christoph Heel in Rod Grainger von Veloce Publishing auch einen englischen Verleger gefunden, sodass diese Ausgabe ebenfalls sichergestellt war. Alles schien sich zu fügen.

Im März 2015 fuhr ich traditionell wieder nach Genf zum Autosalon und konnte Steve stolz vom Stand der Planungen berichten. Dort lernte ich auch James Gilbert kenne, den Verantwortlichen bei Morgan für PR und Social Media. Er wurde unser Ansprechpartner für die Dauer unseres Aufenthalts in England. Jetzt waren alle offenen Fragen beantwortet. Die Fährtickets und das Hotel gebucht, und die Vorfreude auf dieses einzigartige Projekt konnte beginnen.

Unsere Fähre von Hoek van Holland nach Harwich fuhr am Samstag, den 2. Mai um 22 Uhr. Die Nachtpassage in einer komfortablen Kabine war ausgesprochen angenehm, und wie erwartet empfing uns England mit seinem typischen Regenwetter. Aber irgendwann konnten wir doch unser Dach öffnen. Das Foley Arms Hotel überraschte uns vom ersten Augenblick an positiv. Unser Valley-Room bot einen fantastischen Ausblick, das Bett war äußerst bequem, das Bad geräumig und sauber. Schließlich sollte dieses Zimmer für die nächsten dreieinhalb Wochen unser Zuhause werden. Innerhalb einer Stunde organisierte uns die herzliche und fürsorgliche Rezeptionistin Sue sogar einen zweiten Tisch, an dem wir gut mit dem Laptop arbeiten konnten.

Das Werk - 1922 und 2015

Das Werk – 1922 und 2015

Am Montagmorgen war in England zwar Feiertag – Bank Holiday –, aber im Werk wurde trotzdem gearbeitet. Kurz nach Arbeitsbeginn erschienen wir vor Ort und meldeten uns erst einmal im Besucherzentrum an.

James Gilbert

James Gilbert

Kurze Zeit später begrüßte uns James persönlich. Eine kleine Weile mussten wir uns aber noch gedulden, bis er uns nach der Produktionsbesprechung in den Chassis Shop begleitete und uns John vorstellte, dem Foreman des Shops.

James stellt uns im Chassis Shop vor

James stellt uns im Chassis Shop vor

Die Werksuhr zeigte kurz nach 11 Uhr Ortszeit, als wir das silbrig schimmernde Chassis aufgebockt sahen, aus dem der Morgan Plus 4 mit der Order-Nummer 92183 entstehen sollte. James hatte uns auch mit auf den Weg gegeben, dass der Wagen Priority-Status genießen und so zügig wie möglich durch alle Shops geschleust werden sollte. Das half im Verlauf tatsächlich an der einen oder anderen Stelle…

Mit Dagmar hatte ich mich auf folgende Arbeitsteilung verständigt: Ich folge dem Wagen auf Schritt und Tritt und lasse ihn während der nächsten gut drei Wochen nicht einen Moment aus den Augen – jedenfalls nicht, solange daran gearbeitet wird. Sie wollte sich im Werk umsehen, die Gebäude fotografieren, interessante Gesprächspartner kennen lernen und sich um die Bereiche im Werk kümmern, die nicht direkt an der Produktion beteiligt sind, wie z.B. das Lager (Goods In – Goods Out). Oder die Herstellung eines Edelholz-Armaturenbrettes begleiten, das „unseren“ Wagen zwar nicht schmücken sollte, dessen Fertigung aber durchaus spannend ist und die Beschreibung sicher lohnt. Diese Arbeitsteilung stellte sich als überaus nützlich heraus. Vor allem in Bezug auf historisches Bildmaterial, das wir unbedingt mit einbauen wollten. In diesem Punkt hatten wir einen Riesendusel.

Dagmar hatte nämlich gleich am ersten Tag Martyn Webb kennengelernt. Martyn ist nicht nur einer der Guides im Werk, die die jährlich mehr als 25.000 Besucher herumführen. Er hat auch das Morgan-Archiv nahezu alleine in monatelanger Kleinarbeit sortiert, katalogisiert, digitalisiert und damit erst zugängig gemacht.

Morgan Buch von Martyn

Morgan Buch von Martyn

Darüber hinaus hat er auch 2008 ein sehr umfangreiches Buch über die Geschichte von Morgan geschrieben, das im Werk und im Handel erhältlich ist (Morgan, Malvern & Motoring, The Crowood Press, ISBN 978 1 84797 039 8). Ohne ihn hätten wir im Archiv so gut wie nichts gefunden. Von Martyn aber bekamen wir großzügig alle Fotos, die wir uns gewünscht hatten – für uns ein kleiner Schatz!

Es wurden lange Tage in Malvern Link – besonders für mich. Am Morgen fanden wir uns entweder um 7 oder 8 Uhr im Werk ein, und vor 17 Uhr sah uns das Hotel nicht wieder. Manchmal sogar deutlich später. Dann freuten wir uns auf eine leckere, warme Mahlzeit im hoteleigenen Pub und ein erstes Guinness. Danach wieder hoch aufs Zimmer. Ich ruhte mich noch ein paar Minuten aus, während Dagmar die Fotos herunterlud und gleich in entsprechende Ordner einsortierte – in der Regel mehrere Hundert pro Tag.

Meine allabendliche Beschäftigung

Meine allabendliche Beschäftigung

Dann war ich wieder an der Reihe. Die Eindrücke des Tages, die ich in umfangreichen Notizen niedergeschrieben hatte, mussten sofort als Buchtext am PC formuliert werden. Das dauerte noch mal bis gegen 22 Uhr. Dann wurde es Zeit für ein zweites Guinness im Pub mit der Chance, etwas auszuspannen. Denn am nächsten Tag ging es ja weiter, und am übernächsten, und an den darauf folgenden… Insgesamt benötigten die Mitarbeiter 17 Arbeitstage bis der Wagen fertig produziert war. Was ich an den Abenden nicht schaffte – zum Beispiel die Eindrücke meiner zahlreichen Interviews oder Sonderthemen wie Qualitätsmanagement à la Morgan, musste ich an den Wochenenden fertigstellen.

Ein Highlight für Morgan und uns war sicherlich der Besuch beider Verleger im Werk, die neugierig waren, was wir beide dort wohl so treiben mochten. Vor allem war es für beide der erste Besuch in Malvern Link.

Martyn Web mit einer Besuchergruppe

Martyn Web mit einer Besuchergruppe

Wir hatten sie in unserem Hotel einquartiert und eine spezielle Werksführung mit Martyn organisiert. Beim gemeinsamen Abendessen mit frisch gezapftem Guinness genossen wir – umgeben von Morgan-Exponaten – die gemütliche Pub-Atmosphäre.

Gruppenbild Dagmar mit zwei Verlegern und Martyn Webb

Gruppenbild Dagmar mit zwei Verlegern und Martyn Webb

Freudig überrascht waren wir, dass uns Franz-Christoph das fertig gestaltete Cover mitgebracht hatte. Darüber hinaus hatte er das Buch im Handel mit Erscheinungsdatum 31. Oktober bereits angekündigt – ohne auch nur eine Zeile gelesen zu haben. Wir bedanken uns an dieser Stelle für das Vertrauen bei unserem ersten gemeinsamen Projekt!

Als wir nach den vier englischen Wochen endlich wieder zuhause eintrafen, war auch – wie geplant – unser Text fertig, zumindest in einer ersten Rohfassung. Jetzt folgte wie üblich Dagmars Einsatz, die mit unserem internen Lektorat voll beschäftigt war. Es galt, meine Texte glattzubügeln, Wortwiederholungen auszumerzen, einige bildhaft bereichernde Adjektive einzufügen, sodass insgesamt eine gute und sehr emotionale Geschichte entstehen konnte. So ein Lektorat dauert übrigens schon mal deutlich länger als das Schreiben des Textes, den ich recht schnell in die Tastatur haue.

Derweil hatte ich aus den vorsortierten ca. 5.000 Fotos jene 380 Bilder herausgesucht, die der Verlag von uns erwartete. Ende Juni kam der große Moment: Das Manuskript wurde beim Verlag eingereicht und die Fotos per Datenleitung übertragen. Jetzt folgten einige Tage bangen Wartens, ob uns der Lektor das Werk um die Ohren hauen würde… Aber nichts dergleichen geschah. Es gab lediglich einige kleinere Rückfragen – meist technischer Natur. Doch dann stieg wieder die Spannung. Der redigierte Text musste mehrfach von allen Beteiligten erneut Korrektur gelesen werden. Vor allem wollten die 380 Bildunterschriften formuliert und die Fotos den Textstellen zugeordnet werden.

Am 31. Juli wieder ein Highlight: Dagmar und ich fuhren zum Verlag nach Königswinter. Unser Lektor – Jost Neßhöver – hatte uns versprochen, dass wir schon einige Seiten des gesetzten Textes sehen sollten. Er hatte ungefähr 30 Seiten fertig setzen lassen. Von der Arbeit, die sein bester Layouter vollbracht hatte, waren wir schlichtweg überwältigt. Die Seiten sahen perfekt aus. Großzügig gestaltet, hoher Weißanteil, einfach genial! Anschließend benötigten wir allerdings noch den ganzen Monat August, bis wir auch den fertig gesetzten Text  wieder mehrfach gelesen hatten. Bei jedem Durchgang bemerkten wir andere Fehler, aber irgendwann war es soweit: Der Text wurde von allen Seiten abgesegnet.

Mittlerweile war auch die Übersetzung erfolgt, und wir konnten den fertig gesetzten englischen Text Korrektur lesen. Ich maße mir nicht an, das Englisch eines Muttersprachlers zu korrigieren, aber auch in diesen Text hatten sich zahlreiche sachliche Fehler eingeschlichen, die es in enger Zusammenarbeit mit dem Lektor zu korrigieren galt. Wir waren heilfroh, als wir endlich beide Versionen beim Verlag in guten Händen wussten.

Die Präsentation des Buches auf der Frankfurter Buchmesse

Die Präsentation des Buches auf der Frankfurter Buchmesse

Letztes Highlight: Auf der Frankfurter Buchmesse durfte ich schon mal ein Dummy des Buches sehen und dessen Ankündigung auf großen Plakaten! Das machte mich doch ein wenig stolz. Jetzt ist es endlich soweit. Der Spediteur hat uns die erste Lieferung der deutschen Ausgabe gebracht. Und es hat sich gelohnt. Das Gefühl, das Buch in den Händen zu halten war jede Mühe wert.

Gespannt sind wir jetzt auf Euer Urteil! Übrigens – kaufen kann man das Buch ab jetzt natürlich auch…

Eure Bestellungen nehmen wir gern persönlich entgegen. Preis des Buches 39,95 €. Zahlung per PayPal (bevorzugt) oder per Rechnung. Innerhalb Deutschlands verzichten wir auf die Berechnung der Portokosten. Internationaler Versand auf Anfrage.

Schickt einfach eine Mail an hensing@hanseatischer-buchverlag.de unter Angabe der Liefer- und Rechnungsadresse.

Sobald wir die englische Ausgabe vorliegen haben, melden wir uns wieder. Wir hoffen auf kommende Woche.