Frühjahrstreffen des MCD in Bad Nauheim

Kleiner Stau bei der Anreise

Kleiner Stau bei der Anreise

Feiern mit Freunden – Frühjahrstreffen des MCD in Bad Nauheim

Eine große Geburtstagsfeier sollte es werden. 30 Jahre Sektion Rhein-Main. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Eingeladen waren wir alle ins mondäne Kurstädtchen Bad Nauheim. Ins Kurhotel Dolce (http://www.dolce-bad-nauheim-hotel.de/) mit seinem Theater, seinen -zig Festsälen, seiner Wellness-Oase… Die deutschen Morgan-Fahrerinnen und Morganauten, die Freunde aus dem benachbarten Ausland… (Fast) alle kamen übers Pfingstwochenende ins Hessische.

Ankunft in Bad Nauheim

Ankunft in Bad Nauheim

Der Parkplatz voller Morgan

Der Parkplatz voller Morgan

Und so füllte sich der Parkplatz vor dem Hotel mit immer mehr der skurrilen Roadster aus Malvern, von denen sich ohnehin keine zwei gleichen. Mehr als 120 Autos; 230 Teilnehmer – davon 20% aus dem benachbarten Ausland. Allen voran die 11 Autos von der Insel; die Freunde aus Frankreich, der Schweiz, Italien, Luxemburg… Ich glaube, jetzt habe ich alle aufgezählt…

Eingang zum Hotel Dolce

Eingang zum Hotel Dolce

Lasst die Champagnerkorken knallen…! Ach nein, wir befinden uns ja nicht beim Rolls Royce Owners Club. Bei Morgan werden die kleinen Finger nicht demonstrativ abgespreizt zur Schau getragen. Kein „Black Tie“ als Kleiderordnung, kein flüchtiges Wangenküsschen von der Schickeria dieser Welt. Kein roter Teppich, keine Blitzlichtgewitter… Dafür herzliche Umarmungen, rührende Begrüßungsszenen – ein Bild für die Götter unter (noch) strahlend blauem Himmel.

Nach dem Einchecken und der Übergabe eines prall gefüllten „Goodie-Bags“,  gab es erst einmal wahlweise ein Damengedeck (Kaffee und Kuchen) oder ein Herrengedeck (Bier und Brezel) als erste Stärkung – und viel Gesprächsstoff, denn immerhin hatte man sich ja teilweise 6 Monate nicht mehr gesehen. Wie doch die Zeit vergeht…

Dame mit Herren-Gedeck

Dame mit Herren-Gedeck

Einchecken und Empfang der Sponsorengeschenke

Einchecken und Empfang der Sponsorengeschenke

Ab 19 Uhr die obligatorische (kurze) Begrüßungsrede mit dem beliebten Schlusssatz: Das Buffet ist eröffnet. Was übrigens hervorragend war! Wir gehen davon aus, dass die armen Organisatoren tagelang probegegessen haben, bis sie die versammelten hessischen Spezialitäten absegnen konnten. Well done!!!  Nächster Programmpunkt: Bevölkerung der Bar. Dieser Aufforderung kamen – gefühlt – auch mindestens 229 der 230 Teilnehmer nach. Und so wurde es ein gemütlicher, ausführlicher, feuchter, anregender Abend – trotz der teilweise langen und anstrengenden Anreise. Aber was so ein echter Morganaut ist, der steckt so etwas locker weg.

Kurbad Bad Nauheim

Kurbad Bad Nauheim

Am Samstag stand das Frühstücksbuffet um 6 Uhr bereit – wer’s denn dann unbedingt schon braucht… Zwei Stunden später war immer noch früh genug – auch für diejenigen, die die Mitgliederversammlung um 9 Uhr besuchen wollten. Die anderen konnten sich bis 11 Uhr Zeit lassen und die Qualität der Matratzen etwas ausgiebiger testen. Auch die stimmte übrigens. Ansonsten bot der Tag Gelegenheit zu einer kurzen Ausfahrt zu den Sehenswürdigkeiten der Umgebung wie dem gut erhaltenen Römerkastell „Saalburg“ oder dem Hessenpark.

Die Katakomben von Bad Nauheim

Die Katakomben von Bad Nauheim

Oder man erging sich unter fachkundiger (Fremden-) Führung und schaute, ob „der Elvis“ doch noch lebt – schließlich hat der King of Rock ’n‘ Roll lange in Bad Nauheim residiert… Für die weniger Elvis-engagierte Mogie-Gemeinde stand als Alternative noch ein Erkunden der städtebaulichen Jugendstil-Highlights von Bad Nauheim parat.

Bad Nauheim als Spiegel-Foto

Bad Nauheim als Spiegel-Foto

Der eigentliche Höhepunkt des Tages war allerdings das Nachmittagsprogramm: Pünktlich um 15:30 Uhr wurden wir von geräumigen Linienbussen abgeholt und zum Bahnhof transportiert, wo eine liebevoll restaurierte, also technisch einwandfreie, ansonsten aber etwas altersschwache Dampflokomotive „EFW 1, Typ Bismarck“ nebst Salon- und Speisewagen auf uns wartete (http://ef-wetterau.de/ ).

Unsere Lokomotive

Unsere Lokomotive

Alles Original

Alles Original

Die Glut im Kessel war angeheizt, Wasser aufgefüllt, und so konnte es in rasanter Fahrt losgehen.

Die strengen Vorschriften wurden überwacht

Die strengen Vorschriften wurden überwacht

Nicht nur unappetitliches Ausspucken, sondern auch Blumenpflücken sowie das Verlassen des Zuges während der Fahrt waren selbstverständlich untersagt, wobei der „gestrenge Blick der Obrigkeit“ auf uns lag und das Einhalten der Vorschriften überwachte.

Das gestrenge Auge der Obrigkeit

Das gestrenge Auge der Obrigkeit

Münzenberg Hauptbanhof - jetzt ein Privathaus

Münzenberg Hauptbanhof – jetzt ein Privathaus

Nach einer guten Stunde gemütlich ruckelnder Fahrt war unser Fernziel, der 12 Kilometer entfernte Bahnhof von Münzenberg, erreicht. Zwangspause – die Lokomotive musste ihren Wasservorrat wieder auffüllen.

Getränke gab es reichlich während der Fahrt

Getränke gab es reichlich während der Fahrt

Dieses Problem plagte uns nicht, denn während der Fahrt wurden wir von den freundlichen Hobby-Eisenbahnern überreichlich mit Getränken jedweder Couleur versorgt. Die Rückfahrt verging – wie die Hinfahrt – wie im Fluge. Nach nur einer weiteren Stunde kamen wir wohlbehalten wieder in Bad Nauheim an.

Erinnerungen an die Jugendzeit

Erinnerungen an die Jugendzeit

Und dann wurde erstmal so richtig Geburtstag gefeiert! Den Lokschuppen hatten fleißige Hände für uns aus- und aufgeräumt – die Lokomotive musste draußen bleiben. Bierbänke und Tische waren platziert, der Grillmeister grillte, was das Zeug hielt und die sanften und weinseligen Getränke flossen in Strömen. Und dann die größte Überraschung:

Die Heritage Boys heizten mächtig ein

Die Heritage Boys heizten mächtig ein

Die englische Kultband „Heritage Boys“ (http://www.theheritageboys.co.uk/) war extra für uns eingeflogen worden und heizte uns mit Musik der 60er Jahre so richtig ein. Das Tanzbein wurde geschwungen, es wurde mitgesungen und die Stimmung erreichte Werte, die die Außentemperatur um bestimmt 85 Grad Celsius übertraf – dem Siedepunkt des Leitungswassers also sehr nahe kam. Was für eine Party! Gut, die Nacht haben wir letztlich nicht durchgemacht – dafür genossen wir den bequemen Busshuttle zurück zum Hotel, wo wieder der Bartresen auf uns wartete. Danke, danke für die schöne Feier und einen Extra-Toast auf die nächsten 30 Jahre!!!

Wer feiert, sollte auch aufstehen können. Denn: wozu besitzen wir einen Morgan? Um ihn standesgemäß zu bewegen – zum Beispiel sportlich, bei der Gleichmäßigkeitsfahrt auf dem Kart-Kurs der Motorsportarena Stefan Bellof (http://kv-oppenrod.de/). Heuer eine durchaus anspruchsvolle Angelegenheit, da das Wetter Kapriolen schlug, und nicht alle Teilnehmer beim einsetzenden Regen auf „Intermediates“ wechseln konnten…

Ein Morris Minor hatte sich dazwischengeschlichen

Ein Morris Minor hatte sich dazwischengeschlichen

Für die anderen Morgan-Freunde war liebevoll eine Tour ausgearbeitet:

Wunderschöne kleine Straßen durch den Taunus

Wunderschöne kleine Straßen durch den Taunus

160 Kilometer durch den in frühsommerliches Grün gekleideten Taunus – immer den Chinesenzeichen folgend, die sogar vor den zahlreichen stationären Blitzern warnten.

Radarfallen in jeder Ortschaft

Radarfallen in jeder Ortschaft

Gruppe „Rot“ startete um 09:30 Uhr, Gruppe „Blau“ um 10:15 Uhr. Die erste im Uhrzeigersinn, die zweite entgegen. Was ja im Prinzip nichts Schlimmes ist, obwohl – die Gruppe „Rot“ wurde schon auf eine härtere Probe gestellt, als sie sich plötzlich inmitten eines veritablen Hagelschauers wiederfand. Aber Morgan-Fahrer gehörten ja bekanntlich schon immer zu den härtesten ihrer Zunft, und so ein Hagelschauer ist noch lange kein Grund, etwa das Dach zu schließen!

Ein kleiner Schauer ist noch kein Grund für ein geschlossenes Verdeck

Ein kleiner Schauer ist noch kein Grund für ein geschlossenes Verdeck

Wo kämen wir da hin, wenn wir so verweichlicht wären wie die Fahrer all der anderen „weichgespülten“ Cabrios mit ihren Windschotts, Sitzheizungen, Nackenföhnen und Windabweisern in den Frontscheiben. Die Gruppe „Blau“ hatte es dagegen nur mit ein paar Wassertropfen zu tun – der nicht ganz optimalen Wetterprognose rund um die Eisheiligen zum Trotz.

Der Parkplatz der Firma Rinn füllte sich langsam

Der Parkplatz der Firma Rinn füllte sich langsam

Mittags trafen sich beide Gruppen auf Einladung der Firma Rinn (https://www.rinn.net/de/index.html).

Unsere Gastgeber zum Lunch

Unsere Gastgeber zum Lunch

Das Unternehmen passt gut zu Morgan. Nicht nur, dass der Geschäftsführer selbst einen solchen bewegt, sondern auch, weil die Firma „Outdoor-Accessoires“ für den gepflegten Garten herstellt. In Stein gemeißelt sozusagen.

Das Rinn-Forum - ein idealer Platz zur Mittagsrast

Das Rinn-Forum – ein idealer Platz zur Mittagsrast

Diese Einladung zur zünftigen Mittagsrast nahmen wir dankbar an und labten uns an den bereitgestellten Köstlichkeiten. Wir hatten nicht nur reichlich Salate, sondern auch richtig „Schwein“, dessen Haut so kross wie Krokant war, und dem der Saft aus allen Poren floss. Was für ein Hochgenuss!

Besser kann man Schwein nicht zubereiten

Besser kann man Schwein nicht zubereiten

Die Moggis mussten draußen bleiben

Die Moggis mussten draußen bleiben

Die Rückfahrt erfolgte wieder in Kleingruppen, die sich eigentlich immer finden, wenn mehr als ein Morgan in die gleiche Richtung fährt.

Haare im Wind

Haare im Wind

Diesmal schlossen wir uns einer Gruppe an, die wohl nicht so recht wusste, ob sie sich für die Ausfahrt oder die Sportveranstaltung anmelden sollte. Auf alle Fälle bewegten wir unsere Fahrzeuge – wie sagt man so schön – artgerecht, dabei aber immer schön im Rahmen der StVO… Schließlich lauerten überall unterschiedlich alte Blitzanlagen – gefühlt so etwa drei pro Kilometer und teilweise mehr als heimtückisch inmitten von hohen Hecken versteckt. Aber die Fotos schossen diesmal wir und nicht die Automaten!

Sektempfang am Abend

Sektempfang am Abend

Zurück im Hotel, blieb Zeit für eine kurze Regeneration, bevor im Kursaal zum Sektempfang gebeten wurde – und zu einem wirklich feinen Spargel-Buffet.

Na - läuft da nicht das Wasser im Mund zusammen

Na – läuft da nicht das Wasser im Mund zusammen

Die Küche hatte sich wieder einmal selbst übertroffen – oder wie sonst ist zu erklären, dass jenes äußerst empfindliche, weiße Gemüse trotz aller Zartheit den Biss noch nicht verloren hatte.

Das Spargel-Buffet von oben

Das Spargel-Buffet von oben

Und dann erst das „Drumherum“ an exquisiten Vorspeisen, einer Suppe von feinster, cremiger Konsistenz und Dessertvariationen, die wirklich jedes Lob verdienten.

Impressionen vom Dessert-Buffet

Impressionen vom Dessert-Buffet

Und dann kam er doch noch aus seiner Gruft: Elvis himself, der einen bunten Reigen seiner beliebtesten Songs zum Schmusen und Tanzen zum Besten gab.

Auch Elvis heizte mächtig ein

Auch Elvis heizte mächtig ein

Elvis als Stargast

Elvis als Stargast

Wir müssen schon bemerken: trotz seiner annähernd 82 Lenze hat er sich erstaunlich gut gehalten! Er lebt also doch noch – und das sogar in Bad Nauheim.

Danach leerte sich der große Kursaal und wir schwärmten wieder alle wie die Heuschrecken an die Bar, sodass sie fast überquoll und der Barkeeper aber so richtig ins Schwitzen kam. Schließlich war es unser letzter Abend, und wir hatten uns ja soooo lange nicht gesehen!!!

Aus altem Moggi-Holz geschnitzt

Aus altem Moggi-Holz geschnitzt

Gegen Mitternacht bröckelte die muntere Gesellschaft ein wenig auseinander, und der Chef der gepflegten Drinks konnte wieder ein wenig durchatmen.

Am Pfingstmontag gab es zum Abschluss nur noch einen Programmpunkt: „Nach dem Frühstück tränenreicher Abschied.“

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen – bis auf ein „See you in Bielefeld“…

Morgan Drophead-Coupé – ein (Bei-)Fahrbericht

Drophead Coupé halb geöffnet

Morgan Drophead-Coupé – ein (Bei-)Fahrbericht

Als Journalisten lieben wir Fahrberichte – vor allem von exklusiven, seltenen Automobilen. Autos, die man höchstwahrscheinlich nie selbst besitzen wird, die aber etwas ganz Besonderes darstellen. Wie z.B. das 1948er Morgan Flat Rad Serie 1 Drophead Coupé der Familie Victor aus der Eifel. Die Aussicht, diesen wunderschönen und seltenen Klassiker unter mein überaus sensibles Oldie-Testpiloten-Hinterteil zu nehmen und genüsslich über einsame Eifelsträßchen zu bewegen, ließ mein Morgan-Herz höher schlagen. Diese eleganten Karossen mit den „Suicide-Doors“ und der pfiffigen Dachkonstruktion habe ich schon immer bewundert und gern fotografiert. Aber nun sollte ich selbst eine fahren!

Das Familien-Schätzchen in der Garage

Das Familien-Schätzchen in der Garage

Allein die Historie dieses Familienwagens ist schon außergewöhnlich. Nicht so sehr, dass er bereits 1948 zugelassen wurde; dass er von einem Standard Spezial Motor angetrieben wird, der 1939 den Coventry-Climax-Motor ablöste; oder dass er über eingeprägte „Matching Numbers“ verfügt (Chassis Nummer 1737, Motornummer Q341E). Nein – noch vielmehr fasziniert mich die Art und Weise, wie er zu uns nach Deutschland und in den Besitz der Victors geriet.

Gefühlt schon immer war Karl Victor ein Morgan Fan, und seit 1974 fährt er den im Familienbesitz befindlichen Plus 8. Auch im Morgan Club ist er sehr engagiert und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Sektion „UnMOGlich“. Aber Karl wollte mehr, und vor allem anderen interessierte ihn ein Drophead Coupé. Als er hörte, dass ein solches Fahrzeug in England zum Verkauf stehen sollte, fuhr er – wir schreiben das Jahr 1978 inmitten der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft – kurzentschlossen mit einem Freund rüber auf die Insel. Die fussballspezifische Geschichte ist allgemein bekannt: Deutschland schied in der Zwischenrunde aus; Argentinien wurde Weltmeister. Bleibt der Wagen.

Charakteristische Front

Charakteristische Front

Obwohl er damals erst 30 Jahre auf dem Buckel hatte, was für einen Morgan ja überhaupt kein nennenswertes Alter ist, fand Karl ihn in einem äußerst desolaten Zustand vor. Nicht einmal die Innenausstattung war komplett, doch immerhin fuhr er noch.

Aber wie das nun mal so ist, wenn ein suchender Morgianer sich etwas in den Kopf gesetzt hat: Gekauft hat er ihn spontan dann doch – für 2.550 Britische Pfund. Da er bei seinem überstürzten Aufbruch aus Deutschland jedoch völlig vergessen hatte, Geld mitzunehmen, musste er sich die erforderliche Summe bei den Eltern seines (englischen) Freundes borgen. Auf der Rückfahrt hat seine Neuerwerbung auf der Fähre wohl so erbarmungswürdig ausgesehen, dass Mitglieder des Bordpersonals sich des Oldies erbarmten und ihn erst einmal ordentlich reinigten. Ferner erschien der deutsche Zoll und verlangte noch einmal 577 DM (Rechnung vorhanden).

In seinem neuen Zuhause angekommen, wurde der jüngste Familienzuwachs zunächst einmal mit der angemessenen Aufmerksamkeit liebevoll restauriert. Immerhin lag sogar noch die ursprüngliche  Bedienungsanleitung vor. Der Holzwurm wurde vertrieben, die Innenausstattung komplettiert und hergerichtet, das Dach erneuert und das Blech wieder auf Vordermann gebracht. Das war vor nunmehr 38 Jahren. Seitdem ist er ein gern, wenn auch leider selten bewegtes Familienmitglied.

Marc bringt ihn ins Freie

Marc bringt ihn ins Freie

Im Jahr 2016 befindet sich der Wagen technisch immer noch in einem sehr guten Zustand. Der Motor wurde gerade komplett revidiert und wird schonend wieder eingefahren; der Kühler wurde jüngst ebenfalls erneuert; und der Wagen sieht so aus, wie ein Wagen trotz hingebungsvoller Pflege 38 Jahre nach der Restauration eben aussieht – mit leichten optischen Mängeln behaftet, befindet er sich im Klassifizierungs-Zustand 3 minus.

Weshalb ich das schreibe? Weil der Zahn der Zeit nicht nur an dem Wagen genagt hat, sondern auch an Karl Victor, der seine Morgan-Leidenschaft aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so ausleben kann wie in jüngeren Jahren. Und ein Plus 8 steht seit 42 Jahren ja auch noch in der Garage. Also möchte sich die Familie schweren Herzens von ihrem Drophead-Coupé trennen – und es in gute Hände geben! Selbstverständlich wird dabei auch ein gewisser Kaufpreis fällig… Viel wichtiger ist aber, dass es zu einem wirklich liebevollen und kompetenten neuen Besitzer kommt. Den Kontakt stelle ich bei Interesse gerne persönlich her.

Der Motor ist frisch revidiert

Der Motor ist frisch revidiert

Ach ja, der Fahrbericht! Karls Sohn Marc hatte mir die Geschichte des Autos erzählt und mich auch auf die technischen Besonderheiten hingewiesen, die bei einem Morgan aus diesem Baujahr so besonders nun auch wieder nicht sind: Das Moss-Getriebe ist natürlich unsynchronisiert, und an das Schaltschema wird man sich sicher auch gewöhnen müssen. Die Bremsen sind Seilzug-Trommelbremsen, die einen vorausschauenden Fahrstil empfehlen lassen. Eine Innenraum-Heizung suchen wir vergeblich – da hilft ein wärmender Wollpullover. Und außerdem lugte die Sonne ohnehin aus den Wolken hervor.

Flottes Landstraßentempo - kein Problem

Flottes Landstraßentempo – kein Problem

Zuerst einmal wollten wir ein schönes Photo-Shooting veranstalten, also ließ ich mich mit der Kamera zunächst auf dem Beifahrersitz nieder und mich von Marc durch die schönsten Eifelsträßchen kutschieren. Doch schon die Unterbringung meiner 194 cm nebst Kameraausrüstung dort auf dem Beifahrersitz erforderte einige Kompromisse im Hinblick auf meinen Komfort. Immerhin hatte ich bei geöffnetem Dach kein Problem mit der Kopffreiheit…

Fahrerlebnis in der Eifel

Fahrerlebnis in der Eifel

Der Wagen sprang spontan an; der kleine Motor mit seinen 39 PS beschleunigte das leichte (ohne uns 770 kg) Auto angemessen – selbst als es die Hügel hinaufging. Irgendwie machte der Wagen auf mich den Eindruck eines guten Kumpels, mit dem man „durch Dick und Dünn gehen“ – sorry: fahren kann. Das Fahrverhalten zeigte sich unproblematisch, und die Konstruktion wirkte recht solide. Nichts klapperte über Gebühr, nichts wirkte irgendwie anfällig oder instabil. Schnell fasste ich Vertrauen zu dem kleinen Kerl…

An einer idyllischen Straßenkehre stieg ich dann aus, um meine Fahrfotos zu schießen. Ein ums andere Mal fuhr Marc an mir vorbei, bis ich ihm endlich signalisierte, dass die Aufnahmen „im Kasten“ waren. Jetzt drängte es mich auf den Fahrersitz – schließlich sollte es ein persönlicher Fahrbericht werden. Natürlich hatte Marc mir gleich gesagt, dass das bei meiner Figur eng werden könnte… Aber da ich bis dato auf die eine oder andere Weise in alle Autos hineingekommen war, die ich chauffieren wollte, sah ich eigentlich auch hier keine Probleme. Doch schon beim Einfädeln des linken Beines merkte ich, dass es diesmal verdammt eng werden könnte.

Ich pass einfach nicht hinters Lenkrad

Ich pass einfach nicht hinters Lenkrad

Ich probierte wirklich alles – auch, mein linkes Bein um den Schaltstock des Rechtslenkers herum zu winden, um ihn zwischen die Knie zu nehmen. Doch völlig egal – was ich auch versuchte, es klappte nicht! Ein Bild für die Götter! Beim besten Willen und Vorsatz gelang mir nicht, mich hinter das Lenkrad zu zwängen…

Schließlich gab ich auf. Und als ich mich anschließend wieder auf dem Beifahrersitz platzierte, kam mir der so richtig komfortabel und geräumig vor. Marc mit seinen 175 Zentimetern hatte als Pilot sowieso keine Probleme, und so cruisten wir gemütlich ins pittoreske Eifelörtchen Monschau, das eine wirklich tolle Kulisse für die weiteren Fotos bot.

Was für eine Kulisse

Was für eine Kulisse

So wurde  aus meinem Fahrbericht voller Wehmut diesmal ein „Beifahrbericht“. Ungewohnt, aber insgesamt auch nicht unkomfortabel!

Original-Armaturen

Original-Armaturen

Morgans Zukunft ist elektrisch

Los gehts

Los gehts

In der Vergangenheit bestand ein besonderes Talent von Charles Morgan bekanntlich darin, mit revolutionären Ideen wie dem Life-Car, bei dem sogar ernsthaft über einen Wasserstoffantrieb reflektiert wurde, die kleine Manufaktur in Malvern Link an den Rand des Ruins zu treiben. Oder mit so abstrusen Vorhaben wie dem Einstieg in die LMP2-Rennserien dieser Welt. Das ist zum Glück für alle Freunde der Marke vorbei. Jetzt führt Steve Morris das Unternehmen, was bei den meisten tatsächlichen sowie potenziellen Besitzern dazu führt, dass sie wieder etwas beruhigter schlafen können.

EV3 - ohne V2-Motor

EV3 – ohne V2-Motor

Die Kernfrage jedoch bleibt: Wie soll es denn nun bei Morgan weitergehen? Einerseits wird die Umweltgesetzgebung in vielen Absatzmärkten rigoroser, wenn es um Reduzierung der Schadstoffe oder den Umgang mit fossilen Brennstoffen geht. Themen wie Flottenverbrauch oder CO²-Steuer machen heute auch vor einem Morgan nicht halt. Andererseits ist die über Jahrzehnte treue Fan-Gemeinde sehr konservativ und hängt mit Herzblut an ihren skurrilen Oldies. Dies musste Morgan erstmals schmerzhaft erfahren, als der Plus4Plus Morgans Modell-Zukunft einläuten sollte. Ein durchaus ansehnlicher Wagen, der sich optisch ein wenig an Lotus orientierte. Er wurde ein Mega-Flop, während sich die traditionellen Modelle, die er an sich irgendwann ablösen sollte, bis heute gehalten haben. Was bedeutet das? Ausnahmsweise könnte man bei Morgan zum Beispiel darüber nachdenken, was der treuen Anhängerschar zuzumuten wäre – oder sie vielleicht gar einmal fragen…

Denn ein Morgan ohne seinen traditionellen Habitus; ohne das Gefühl, eigentlich einen Oldtimer zu fahren; ohne den unverwechselbaren Sound aus seinem (Sport-)Auspuff; ohne den stets präsenten Geruch der Historie – lang ließe sich diese Auflistung fortführen – wäre an sich schon eine Zumutung… Und damit befindet sich die kleine Markenschmiede durchaus in einem Dilemma, für das auch ich kein Patentrezept präsent habe.

Mister secretary Sajid Javid MP beim Ortstermin

Mister secretary Sajid Javid MP beim Ortstermin

Wenigstens finanziell scheint das Risiko für den ernsthaften Einstieg in neue Antriebstechnologien wie Hybrid- oder reinen Elektro-Antrieb überschaubar, da in einem kleinen Unternehmen wie Morgan mit einem Zuschuss von 6 Millionen Pfund aus staatlichen Fördertöpfen schon sehr viel bewegt werden könnte. Im Konzert der Großen der Branche ist das natürlich nur ein Zuschuss für die Portokasse, aber bei Morgan…?

Nachdem sich bereits 2012 auf dem Genfer Automobilsalon der Prototyp eines Morgan Plus E präsentierte, der eher für Lacher als für echte Aufmerksamkeit sorgte, wurde im letzten Jahr beim Festival of Speed in Goodwood ein elektrisch angetriebener ThreeWheeler vorgestellt. Mit eigenen Augen haben wir ihn auf dem Werksgelände herumfahren sehen, als wir im Mai 2015 dort für unser gerade erschienenes Buch recherchierten. Dieses Dreirad sah noch relativ traditionell aus. Eine Probefahrt gelang uns leider nicht, aber der heimelige V2-Twin mit seinem charakteristischen Schütteln nach dem Betätigen des Anlassers würde uns wahrscheinlich doch fehlen.

Von hinten ist der Motor ohnehin nichts zu sehen

Von hinten ist der Motor ohnehin nichts zu sehen

Was zurzeit an Bildern vom EV3 im Netz herumgeistert, hat außer der Bauform mit einem klassischen ThreeWheeler wenig gemein. Der Wagen sieht eher so aus, als wäre er für einen Geschwindigkeits-Rekordversuch auf dem Salzsee von Utah konzipiert.

Übrigens sollen diesmal zunächst 10 ausgewählte Kunden den Wagen einem Praxistest unterziehen, bevor eine Entscheidung darüber fällt, ob er überhaupt in Serie gehen wird.

In seiner gesamten Historie hat Morgan bekanntlich noch nie einen Motor selbst gebaut. Und daran wird sich sicher auch im Hybrid- und E-Zeitalter nichts ändern, denn als Technologie- und Entwicklungspartner sind diesmal Delta Motorsports und Potenza Technology gewonnen worden. Bereits ab 2019 sollen die neuen Modelle auf dem Markt erhältlich sein.

An Fahrdynamik mangelt es nicht

An Fahrdynamik mangelt es nicht

Natürlich sind Hybrid-Antriebe aus dem Motorsport nicht mehr wegzudenken und auch die Formal E gewinnt immer mehr Anhänger, aber – wie bereits gesagt: Behaltet auch Eure angestammte Klientel im Auge… Im Prinzip ist „E“ wie der Relaunch einer traditionellen Tageszeitung zu werten. Auch dort führen eher Evolutionen als Revolutionen zum angestrebten Ziel.

Da strahlen die Augen - genug Strom hat er ja

Da strahlen die Augen – genug Strom hat er ja

Und der Schritt vom Saugmotor – unter Umgehung der Turbo-Technologie – hin zum Hybrid- und E-Antrieb ist schon eine veritable Revolution. Aber wie wir Morgan kennen, wird es bestimmt eine „Final Edition“ der traditionellen, mit Saugmotoren bestückten Modelle geben. Dabei hoffen wir, dass sie auf mindestens 10.000 Einheiten „limitiert“ sein wird… So lange wird sicherlich bei den Traditionalisten der Umgewöhnungs-Prozess mindestens dauern. Und ob – wie das Werk erwartet – ganz neue Käuferschichten erreicht und die Produktion deutlich ausgeweitet werden können, wird die Zukunft zeigen.

Instrumente des EV3

Instrumente des EV3

Zu unserem Glück ist ein Morgan ja für die Ewigkeit gebaut, sodass wir noch lange Freude an unseren „Schätzchen“ haben werden.

Tribute to Morgan
Rallye in Memorial
Rudolf Caracciola

Header 16

Tribute to Morgan Rallye in Memorial Rudolf Caracciola

Jeder, der einen Morgan fährt, weiß, dass er einen Klassiker unter dem Hintern hat. Gebaut wie vor 100 Jahren, technisch aber „up to date“ – zumindest was den Motor angeht, der bei den neuen Modellen die EURO 6-Norm locker erfüllt. Ansonsten entspricht die Technik der traditionellen Baureihe ihrem Namen: Starrachse mit Blattfedern und Trommelbremsen hinten, dafür auf regelmäßige Wartung angewiesene Schmiernippel vorne. Verzicht auf neumodische elektronische Helferlein – halt ein klassischer, englischer Roadster, der schon bei der Premiere des letzten „Facelifts“ 1954 eher antiquiert dreinschaute. Das anerkennen auch die Fahrer „echter“ Oldtimer, die – uns entgegenkommend – herzlichst grüßen. Und wir grüßen zurück – so von Morgan zu Klassiker.

Startnummer 75, Team Schönborn - Schönborn im Morgan Plus 8 Le Mans

Startnummer 75, Team Schönborn – Schönborn im Morgan Plus 8 Le Mans

Das einzige, was bislang noch zum Klassiker-Glück fehlte, war die Teilnahmeberechtigung an einem echten Oldtimer-Grand Prix. In dieser Hinsicht können wir persönlich uns nicht beklagen, da wir an jeder Klassiker-Rallye – auch der Mille Miglia – teilnehmen dürften, so wir denn wollten. Allerdings mit besonderer Kennzeichnung lediglich als Presse-Begleitfahrzeug…

Der Medien-Morgan an der Spitze des Teilnehmerfeldes vor dem Start auf der Kasseler Königsstrasse

Der Medien-Morgan an der Spitze des Teilnehmerfeldes vor dem Start auf der Kasseler Königsstrasse

Das werden wir auch in diesem Jahr so halten – und zwar bei dem „Grand Prix in Memorial Rudolf Caracciola“, der heuer zum 3. Mal ausgetragen wird. Bei der Premiere 2013 waren wir übrigens auch dabei… Damals, als die Strecke noch von Kassel über Dresden zurück nach Kassel führte.

Jaguar XK 120 OTS, Bj. 1950 neben Morgan Plus 8, Bj

Jaguar XK 120 OTS, Bj. 1950 neben Morgan Plus 8, Bj

Von Beginn an galt die Devise: „Tribute to Morgan“. Und alle Morgan – jawohl, alle Baujahre und Modelle! Waren damals wie heute startberechtigt.

Wer gerne ein paar Impressionen der Premiere nachlesen möchte, dem sei unser damaliger Blogartikel ans Herz gelegt:

http://www.morgan-news.de/fuenf-morgan-beim-grand-prix-memorial-rudolf-caracciola/

Schon bei der Auftakt-Veranstaltung faszinierten uns die Liebe zum Detail und der Enthusiasmus von Hagen und Edi, den beiden agilen Veranstaltern. Und wir sahen – wie alle Teilnehmer – wohlwollend und verständnisvoll über kleinere organisatorische Pannen hinweg. Schließlich handelte es sich um eine Premiere… In diesem Jahr wird deshalb vieles anders! Zunächst einmal der Streckenverlauf in einer der schönsten Ecken des Freistaates Bayern mit Abstechern ins benachbarte Österreich.

Streckenkarte 2016

Streckenkarte 2016

Gespickt mit klassischen Bergrennstrecken sowie der Möglichkeit, dem automobilen Schätzchen auf dem Salzburgring einmal so richtig die Sporen zu geben – oder auch nicht. Eine Zeitvorgabe seitens der Organisatoren bremst den interessierten Piloten hierbei übrigens nicht.

Überhaupt haben die Teilnehmer die Qual der Wahl: Soll es eine knackige, sportliche Rallye mit 50! Wertungsprüfungen sein, oder lässt man es touristisch etwas ruhiger angehen und entspannt sich bei nur 15 Challenges? Wird zur Zeitnahme als mechanisches Instrument die „Sanduhr“ eingesetzt, oder doch lieber moderne Elektronik? Wie und was auch immer – der Spaß wird auf keinen Fall zu kurz kommen!

Als kleiner Appetitanreger für die potenziellen Teilnehmer hier ein kleiner Auszug aus dem Programm:

Donnerstag, 8. September

10:00 – 15:00 Uhr            Technische und administrative Abnahme in Prien am Chiemsee

15:00 – 18:00 Uhr            Stadt-Grand Prix „Schaulaufen“ im Stadtzentrum von Prien

19:30 – 21:00 Uhr            Grillabend am See

Freitag, 9. September

08:30 – 13:00 Uhr            1. Etappe „Berge und Seen“: Reit im Winkl, Ruhpolding, Königssee, Bergrennstrecke am Rossfeld. Die Historie des „Salzbergrennens“ am Rossfeld begann 1925 mit Fahrern wie Hans Stuck Senior und – Rudolf Caracciola! Beim Rossfeldrennen duellieren sich seit 2013 wieder klassische Automobile. Auch Klaus Weiss mit seinem 61er Morgan Plus 4 SS war 2013 im Teilnehmerfeld.

13:00 – 14:00 Uhr            Mittagspause im „Daxlueg“ hoch über Salzburg

14:00 – 18:00 Uhr            2. Etappe Salzburgring mit Zeit für bestimmt 10 – 12 Runden auf der Strecke. Anschließend geht es weiter u.a. zum Gaisberg, wo bereits 1929 Bergrennen stattfanden. Damals siegte Max von Arco-Zinneberg auf Mercedes-Benz SSK. Die Tradition der Bergrennen auf diesem Kurs endete übrigens 1969. Jetzt seid Ihr dran… Das Ziel dieser Etappe befindet sich in Traunstein.

20:00 – 22:00 Uhr            Abendessen im Yachthotel in Prien

Yachthotel Luftbild

Yachthotel Luftbild

Samstag, 10. September

09:00 – 13:00 Uhr            3. Abschnitt über Bayrischzell, Tegernsee, Schliersee, Kesselberg – schon wieder eine klassische Bergrennstecke, auf der sich zwischen 1905 und 1935 mehrfach Rennwagen und ebensolche Motorräder heiße Duelle um Zehntelsekunden lieferten – bis zum Achenpass. Alle, die diese Gegend kennen, wissen, welche landschaftlichen Highlights die Teilnehmer erwarten.

13:00 – 14:00 Uhr            Am Achensee ist eine Mittagsrast eingeplant.

14:00 – 17:30 Uhr            Die 4. Etappe verläuft – über Kufstein zum Walchsee – mit Zieleinlauf in Bernau am Chiemsee, wo die diesjährige Tour enden wird.

19:30 – 21:00 Uhr            Galaabend mit anschließender Siegerehrung im Yachthotel.

 

Insgesamt warten 550 erlebnisreiche Kilometer auf die Teilnehmer in einer Region, die kaum schöner sein kann. Noch gibt es ein paar freie Plätze – in hochkarätiger Gesellschaft mit herrlichen Oldtimern der Jahrgänge 1928 bis 1973. Näheres und Anmeldung unter

http://www.gp-rudolf-caracciola.de/index.php?id=2

Informationen 2016

Informationen 2016

Auch wir freuen uns auf das Wiedersehen mit Hagen und Edi und werden sicher wieder jede Menge faszinierende Fotos von allen Teilnehmern schießen.

Rückrufaktion beim
ThreeWheeler ???

Ein echter Hingucker

Rückrufaktion beim ThreeWheeler ???

Rückrufaktionen haben weltweit bei den Automobilherstellern – leider – eine lange Tradition. Kaum ein Unternehmen, das noch nicht betroffen war. Häufig handelt es sich um elektronische Probleme. Dramatisch wird die Situation natürlich, sobald Menschen aufgrund der Defekte ihr Leben lassen müssen. Autos brennen ohne Grund ab. Bremsen versagen ihren Dienst. Airbags lösen aus heiterem Himmel aus… Oder der Hersteller installiert eine Schummel-Software, um Abgasvorschriften einhalten zu können. Gut, dabei gibt es zumindest keine akuten Todesfälle. Peinlich ist so ein Verhalten trotzdem.

Bislang blieben Morgan solche Peinlichkeiten erspart. Immer mal wieder traten leichte Qualitätsmängel auf. Daran haben wir Morgan-Besitzer uns mittlerweile gewöhnt. Schließlich fahren wir das Werk reiner Handarbeit. Etwas dramatischer waren diese Qualitätsmängel allerdings bei den aktuellen ThreeWheelern der ersten Jahrgänge. Morgan hatte schlichtweg den Fehler begangen, den Wagen auf den Markt zu bringen, bevor er wirklich Serienreife erlangt hatte. Etwas, was zukünftig übrigens nicht mehr vorkommen  soll…

Prototyp im Morgan-Werk

Prototyp im Morgan-Werk

Dennoch gab es bei Morgan bislang keinen wirklich ernsthaften Grund für eine Rückrufaktion. Auch in dem vorliegenden Fall haben bisher weder die Sunday Times, der Spiegel, die BILD, noch die einschlägigen Auto-Zeitschriften von einer Rückrufaktion berichtet. Was also liegt an?

Bei einem Threewheeler soll am Rahmen nahe der Vorderachse ein Haarriss aufgetreten sein. Womöglich, weil dieser Wagen auch häufiger rennmäßig bewegt wurde? Warum auch nicht – schließlich sind alle Morgan reinrassige Sportwagen, die danach lechzen, artgerecht über die Strecke gejagt zu werden. Was übrigens auch – oder gerade – beim Threewheeler ausgesprochen viel Vergnügen bereitet (siehe Blogbeitrag http://www.morgan-news.de/fahrbericht-three-wheeler/).

Diesen offensichtlichen Einzelschaden nahm Morgan dennoch zum Anlass, alle englischen Kunden, die einen neuen Threewheeler der ersten Jahrgänge 2011 bis 2013 besitzen, anzuschreiben, und sie aufzufordern „bei Gelegenheit“ in einer Morgan-Werkstatt vorbeizuschauen. Dort solle an der bewussten Stelle eine Aussteifung des Rahmens vorgenommen werden. Kein große Sache – die Händler können dem Werk jeweils zwei Arbeitsstunden in Rechnung stellen. Gleichwohl stellt sich die Frage, weshalb nur die englischen Kunden angeschrieben wurden. Bewegen die ThreeWheeler-Kunden auf dem Festland ihre Autos etwa nicht artgerecht? Mittlerweile sind die Informationen über den potentiellen „Defekt“ jedoch per Buschfunk auch auf den Kontinent gelangt.

Die Stelle ist schlecht zu sehen

Die Stelle ist schlecht zu sehen

In der Bundesrepublik gibt es für solche Fälle eine Behörde, die von Amts wegen derartigen Gerüchten nachgeht: das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Natürlich hat es sich auch in diesem Fall eingeschaltet und die Sachlage überprüft. Das KBA sah aber keinen Grund, regulativ einzuschreiten. Morgan – hier: die deutschen Importeure – sollten die Angelegenheit nach eigenem Ermessen regeln. Diese Regelung sieht inzwischen so aus, dass die Fahrer eines ThreeWheelers der ersten drei Jahrgänge im Rahmen eines regulären Werkstattaufenthalts die Rohrversteifung erhalten, die die späteren Jahrgänge ab 2014 ohnehin haben. In Deutschland ist übrigens bislang kein Fall eines Haarrisses an dieser Stelle bekannt geworden.

Und nein: Es handelt sich nicht um eine Rückrufaktion aller ThreeWheeler! Die ThreeWheeler-Besitzer können also weiterhin beruhigt die warmen Temperaturen dieses Pseudo-Winters nutzen, um so richtig Gas zu geben.

Auch meine Frau genoss die Testfahrt

Auch meine Frau genoss die Testfahrt

Habt einfach Spaß!

Das Making of des Making of

Cover beider Ausgaben

Cover beider Ausgaben

Das Making of des Making of – das ist kein Druckfehler. Wir wollten einfach zu Papier bringen, wie wir dieses Projekt geplant und realisiert haben, dessen Ergebnis wir seit genau 5 Minuten in den Händen halten.

Die Idee schwelte in unseren Hirnen seit Ende 2012: ein Buch zu schreiben über die Entstehung eines Morgan. Das hatte vor uns noch niemand getan. Solange Charles Morgan bei Morgan das Zepter führte, konnten wir dieses Ansinnen allerdings vergessen. Denn da die Idee nicht von ihm kam, hätte er das Buch nie befürwortet – schon gar nicht, wenn es sich um Autoren vom Kontinent handelte:

„For heaven’s sake, what do those bloody Germans know about Morgan? “

Charles und Steve auf dem Genfer Autosalon 2013

Charles und Steve auf dem Genfer Autosalon 2013

Aber – welch Glückes Geschick – Anfang 2013 erfolgte die Staffelübergabe an Steve Morris, und der ist deutlich flexibler in Bezug auf solche Impulse. Diesen Eindruck hatte ich jedenfalls, als ich ihn erstmals 2013 auf dem Genfer Autosalon traf.

Also entwickelten wir zunächst ein Konzept, selbstverständlich in englischer Sprache formuliert und wertig gedruckt.

Morgan Buch The Making of Englisch

Morgan Buch The Making of Englisch

Das präsentierte ich Steve ein Jahr später – wieder in Genf. Zu meinem großen Erstaunen benötigte er für seine Zustimmung keine fünf Minuten. Der erste Schritt war also geschafft!

Jetzt galt es, sich Gedanken über Format und Inhalt des Buches zu machen, denn wir wollten es diesmal nicht über unseren eigenen Verlag, den Hanseatischen Buchverlag, herausgeben, sondern – um auf die entsprechenden Stückzahlen zu kommen – uns einen Partner suchen, der über internationale Vertriebskanäle verfügt.

Malvern 1860 und heute

Malvern 1860 und heute

Unsere Vorstellung war: großes, möglichst quadratisches Format; ca. 160 Seiten stark, von denen ca. 2/3 auf die Beschreibung des Fertigungsprozesses entfallen sollten. Der Rest ein wenig Historie – natürlich nicht zu viel, da darüber schon zahlreiche Bücher auf dem Markt erschienen sind. Möglichst viele eindrucksvolle Fotos – mindestens 300 – und auf alle Fälle auch zusätzlich eine englischsprachige Ausgabe. Dazu natürlich ein sehr edles Layout sowie eine gute Ausstattung.

Leseprobe Englisch

Leseprobe Englisch

Jetzt mussten wir nur noch einen Verleger finden, der das Projekt mit uns realisieren würde. Spontan fielen uns zwei Verlage ein: Delius Klasing in Bielefeld / Hamburg und der HEEL-Verlag in Königswinter.

Letztlich machte der HEEL-Verlag das Rennen, weil Franz Christoph Heel unsere Vorstellungen weitestgehend befürwortet hatte. Zu weiteren Abstimmungsgesprächen besuchte ich ihn also in Königswinter und lernte bei der Gelegenheit auch unseren zuständigen Lektor sowie die Verantwortliche für die Lizenzen kennen. Unser Konzept wurde nun folgendermaßen umgesetzt:

Das Buch im nahezu quadratischen Format (290 X 245 mm) sollte als deutschsprachige Ausgabe bei HEEL erscheinen. Für die englischsprachige Version wurde ein Lizenzpartner angestrebt. Auch wünschte sich der HEEL-Verlag unbedingt einen historischen Einstieg in das Thema – mit vorgegebenem Umfang. Da die Historie bekanntlich bereits stattgefunden hatte, konnten wir diesen Abschnitt schon vor unserer Englandreise vorbereiten.

Also – die meisten Hürden waren im Herbst 2014 genommen. Das Morgan Werk hatte zugestimmt und der Vertrag mit dem HEEL-Verlag war unterzeichnet. Jetzt ging es in die Detailplanung: Was wäre der richtige Zeitpunkt für die Reise ins Werk? Welchen Morgan wollten wir dort begleiten? Welchen Zeitrahmen mussten wir einplanen? Wo wollten wir übernachten? Wie sollte die Aufgabenteilung zwischen Dagmar und mir aussehen? Welches Budget mussten wir aufbringen?

Doch auch für diese Fragen fanden wir schnell die passenden Antworten. Da das Buch im Herbst, pünktlich vor dem Weihnachtsgeschäft, auf dem Markt erscheinen sollte, durften wir nicht zu spät nach England fahren. Aber das Wetter sollte schon mitspielen. Unsere Wahl fiel auf den Wonnemonat Mai. Beschreiben wollten wir auf alle Fälle ein traditionelles Modell. Am liebsten einen 4/4 oder einen Plus 4. Das sind bei Morgan immer noch die Klassiker. Die Produktionszeit sollte nach Auskunft des Werkes 15 Arbeitstage betragen. Aber wir kennen ja Morgan und planten vorsichtshalber bis zu vier Tage mehr ein. Insgesamt würden wir also den gesamten Mai unterwegs sein. Das ist wohl dann das, was man hinlänglich als Arbeitsurlaub bezeichnet.

Unser Morgan vor dem Foley Arms Hotel

Unser Morgan vor dem Foley Arms Hotel

Bei der Wahl unseres Hotels verließen wir uns auf Empfehlungen des Werkes: das Foley Arms Hotel in Malvern (http://www.jdwetherspoon.co.uk/home/pubs/the-foley-arms-hotel). Wie sich sehr schnell herausstellte, eine sehr gute und preiswerte Lösung.

Blick ins Zimmer - das Bett ist super-bequem

Blick ins Zimmer – das Bett ist super-bequem

Ausblick aus dem Valley-Room

Ausblick aus dem Valley-Room

Zwischenzeitlich hatte Franz-Christoph Heel in Rod Grainger von Veloce Publishing auch einen englischen Verleger gefunden, sodass diese Ausgabe ebenfalls sichergestellt war. Alles schien sich zu fügen.

Im März 2015 fuhr ich traditionell wieder nach Genf zum Autosalon und konnte Steve stolz vom Stand der Planungen berichten. Dort lernte ich auch James Gilbert kenne, den Verantwortlichen bei Morgan für PR und Social Media. Er wurde unser Ansprechpartner für die Dauer unseres Aufenthalts in England. Jetzt waren alle offenen Fragen beantwortet. Die Fährtickets und das Hotel gebucht, und die Vorfreude auf dieses einzigartige Projekt konnte beginnen.

Unsere Fähre von Hoek van Holland nach Harwich fuhr am Samstag, den 2. Mai um 22 Uhr. Die Nachtpassage in einer komfortablen Kabine war ausgesprochen angenehm, und wie erwartet empfing uns England mit seinem typischen Regenwetter. Aber irgendwann konnten wir doch unser Dach öffnen. Das Foley Arms Hotel überraschte uns vom ersten Augenblick an positiv. Unser Valley-Room bot einen fantastischen Ausblick, das Bett war äußerst bequem, das Bad geräumig und sauber. Schließlich sollte dieses Zimmer für die nächsten dreieinhalb Wochen unser Zuhause werden. Innerhalb einer Stunde organisierte uns die herzliche und fürsorgliche Rezeptionistin Sue sogar einen zweiten Tisch, an dem wir gut mit dem Laptop arbeiten konnten.

Das Werk - 1922 und 2015

Das Werk – 1922 und 2015

Am Montagmorgen war in England zwar Feiertag – Bank Holiday –, aber im Werk wurde trotzdem gearbeitet. Kurz nach Arbeitsbeginn erschienen wir vor Ort und meldeten uns erst einmal im Besucherzentrum an.

James Gilbert

James Gilbert

Kurze Zeit später begrüßte uns James persönlich. Eine kleine Weile mussten wir uns aber noch gedulden, bis er uns nach der Produktionsbesprechung in den Chassis Shop begleitete und uns John vorstellte, dem Foreman des Shops.

James stellt uns im Chassis Shop vor

James stellt uns im Chassis Shop vor

Die Werksuhr zeigte kurz nach 11 Uhr Ortszeit, als wir das silbrig schimmernde Chassis aufgebockt sahen, aus dem der Morgan Plus 4 mit der Order-Nummer 92183 entstehen sollte. James hatte uns auch mit auf den Weg gegeben, dass der Wagen Priority-Status genießen und so zügig wie möglich durch alle Shops geschleust werden sollte. Das half im Verlauf tatsächlich an der einen oder anderen Stelle…

Mit Dagmar hatte ich mich auf folgende Arbeitsteilung verständigt: Ich folge dem Wagen auf Schritt und Tritt und lasse ihn während der nächsten gut drei Wochen nicht einen Moment aus den Augen – jedenfalls nicht, solange daran gearbeitet wird. Sie wollte sich im Werk umsehen, die Gebäude fotografieren, interessante Gesprächspartner kennen lernen und sich um die Bereiche im Werk kümmern, die nicht direkt an der Produktion beteiligt sind, wie z.B. das Lager (Goods In – Goods Out). Oder die Herstellung eines Edelholz-Armaturenbrettes begleiten, das „unseren“ Wagen zwar nicht schmücken sollte, dessen Fertigung aber durchaus spannend ist und die Beschreibung sicher lohnt. Diese Arbeitsteilung stellte sich als überaus nützlich heraus. Vor allem in Bezug auf historisches Bildmaterial, das wir unbedingt mit einbauen wollten. In diesem Punkt hatten wir einen Riesendusel.

Dagmar hatte nämlich gleich am ersten Tag Martyn Webb kennengelernt. Martyn ist nicht nur einer der Guides im Werk, die die jährlich mehr als 25.000 Besucher herumführen. Er hat auch das Morgan-Archiv nahezu alleine in monatelanger Kleinarbeit sortiert, katalogisiert, digitalisiert und damit erst zugängig gemacht.

Morgan Buch von Martyn

Morgan Buch von Martyn

Darüber hinaus hat er auch 2008 ein sehr umfangreiches Buch über die Geschichte von Morgan geschrieben, das im Werk und im Handel erhältlich ist (Morgan, Malvern & Motoring, The Crowood Press, ISBN 978 1 84797 039 8). Ohne ihn hätten wir im Archiv so gut wie nichts gefunden. Von Martyn aber bekamen wir großzügig alle Fotos, die wir uns gewünscht hatten – für uns ein kleiner Schatz!

Es wurden lange Tage in Malvern Link – besonders für mich. Am Morgen fanden wir uns entweder um 7 oder 8 Uhr im Werk ein, und vor 17 Uhr sah uns das Hotel nicht wieder. Manchmal sogar deutlich später. Dann freuten wir uns auf eine leckere, warme Mahlzeit im hoteleigenen Pub und ein erstes Guinness. Danach wieder hoch aufs Zimmer. Ich ruhte mich noch ein paar Minuten aus, während Dagmar die Fotos herunterlud und gleich in entsprechende Ordner einsortierte – in der Regel mehrere Hundert pro Tag.

Meine allabendliche Beschäftigung

Meine allabendliche Beschäftigung

Dann war ich wieder an der Reihe. Die Eindrücke des Tages, die ich in umfangreichen Notizen niedergeschrieben hatte, mussten sofort als Buchtext am PC formuliert werden. Das dauerte noch mal bis gegen 22 Uhr. Dann wurde es Zeit für ein zweites Guinness im Pub mit der Chance, etwas auszuspannen. Denn am nächsten Tag ging es ja weiter, und am übernächsten, und an den darauf folgenden… Insgesamt benötigten die Mitarbeiter 17 Arbeitstage bis der Wagen fertig produziert war. Was ich an den Abenden nicht schaffte – zum Beispiel die Eindrücke meiner zahlreichen Interviews oder Sonderthemen wie Qualitätsmanagement à la Morgan, musste ich an den Wochenenden fertigstellen.

Ein Highlight für Morgan und uns war sicherlich der Besuch beider Verleger im Werk, die neugierig waren, was wir beide dort wohl so treiben mochten. Vor allem war es für beide der erste Besuch in Malvern Link.

Martyn Web mit einer Besuchergruppe

Martyn Web mit einer Besuchergruppe

Wir hatten sie in unserem Hotel einquartiert und eine spezielle Werksführung mit Martyn organisiert. Beim gemeinsamen Abendessen mit frisch gezapftem Guinness genossen wir – umgeben von Morgan-Exponaten – die gemütliche Pub-Atmosphäre.

Gruppenbild Dagmar mit zwei Verlegern und Martyn Webb

Gruppenbild Dagmar mit zwei Verlegern und Martyn Webb

Freudig überrascht waren wir, dass uns Franz-Christoph das fertig gestaltete Cover mitgebracht hatte. Darüber hinaus hatte er das Buch im Handel mit Erscheinungsdatum 31. Oktober bereits angekündigt – ohne auch nur eine Zeile gelesen zu haben. Wir bedanken uns an dieser Stelle für das Vertrauen bei unserem ersten gemeinsamen Projekt!

Als wir nach den vier englischen Wochen endlich wieder zuhause eintrafen, war auch – wie geplant – unser Text fertig, zumindest in einer ersten Rohfassung. Jetzt folgte wie üblich Dagmars Einsatz, die mit unserem internen Lektorat voll beschäftigt war. Es galt, meine Texte glattzubügeln, Wortwiederholungen auszumerzen, einige bildhaft bereichernde Adjektive einzufügen, sodass insgesamt eine gute und sehr emotionale Geschichte entstehen konnte. So ein Lektorat dauert übrigens schon mal deutlich länger als das Schreiben des Textes, den ich recht schnell in die Tastatur haue.

Derweil hatte ich aus den vorsortierten ca. 5.000 Fotos jene 380 Bilder herausgesucht, die der Verlag von uns erwartete. Ende Juni kam der große Moment: Das Manuskript wurde beim Verlag eingereicht und die Fotos per Datenleitung übertragen. Jetzt folgten einige Tage bangen Wartens, ob uns der Lektor das Werk um die Ohren hauen würde… Aber nichts dergleichen geschah. Es gab lediglich einige kleinere Rückfragen – meist technischer Natur. Doch dann stieg wieder die Spannung. Der redigierte Text musste mehrfach von allen Beteiligten erneut Korrektur gelesen werden. Vor allem wollten die 380 Bildunterschriften formuliert und die Fotos den Textstellen zugeordnet werden.

Am 31. Juli wieder ein Highlight: Dagmar und ich fuhren zum Verlag nach Königswinter. Unser Lektor – Jost Neßhöver – hatte uns versprochen, dass wir schon einige Seiten des gesetzten Textes sehen sollten. Er hatte ungefähr 30 Seiten fertig setzen lassen. Von der Arbeit, die sein bester Layouter vollbracht hatte, waren wir schlichtweg überwältigt. Die Seiten sahen perfekt aus. Großzügig gestaltet, hoher Weißanteil, einfach genial! Anschließend benötigten wir allerdings noch den ganzen Monat August, bis wir auch den fertig gesetzten Text  wieder mehrfach gelesen hatten. Bei jedem Durchgang bemerkten wir andere Fehler, aber irgendwann war es soweit: Der Text wurde von allen Seiten abgesegnet.

Mittlerweile war auch die Übersetzung erfolgt, und wir konnten den fertig gesetzten englischen Text Korrektur lesen. Ich maße mir nicht an, das Englisch eines Muttersprachlers zu korrigieren, aber auch in diesen Text hatten sich zahlreiche sachliche Fehler eingeschlichen, die es in enger Zusammenarbeit mit dem Lektor zu korrigieren galt. Wir waren heilfroh, als wir endlich beide Versionen beim Verlag in guten Händen wussten.

Die Präsentation des Buches auf der Frankfurter Buchmesse

Die Präsentation des Buches auf der Frankfurter Buchmesse

Letztes Highlight: Auf der Frankfurter Buchmesse durfte ich schon mal ein Dummy des Buches sehen und dessen Ankündigung auf großen Plakaten! Das machte mich doch ein wenig stolz. Jetzt ist es endlich soweit. Der Spediteur hat uns die erste Lieferung der deutschen Ausgabe gebracht. Und es hat sich gelohnt. Das Gefühl, das Buch in den Händen zu halten war jede Mühe wert.

Gespannt sind wir jetzt auf Euer Urteil! Übrigens – kaufen kann man das Buch ab jetzt natürlich auch…

Eure Bestellungen nehmen wir gern persönlich entgegen. Preis des Buches 39,95 €. Zahlung per PayPal (bevorzugt) oder per Rechnung. Innerhalb Deutschlands verzichten wir auf die Berechnung der Portokosten. Internationaler Versand auf Anfrage.

Schickt einfach eine Mail an hensing@hanseatischer-buchverlag.de unter Angabe der Liefer- und Rechnungsadresse.

Sobald wir die englische Ausgabe vorliegen haben, melden wir uns wieder. Wir hoffen auf kommende Woche.

Morgan auf Abwegen

Noch gibt es richtige Ortschaften

Noch gibt es richtige Ortschaften !

Morgan auf Abwegen. Jedes Mal, wenn wir die Fähre in Harwich verlassen, stellt sich bei uns ein Gefühl der Vertrautheit ein. Meistens ist das Dach geschlossen, weil es gerade regnet. Weshalb eigentlich trotzdem immer wieder in Harwich? Wir denken, dass sich unser Mogie hier ganz besonders wohlfühlt – speziell wenn die Straßen kleiner, enger werden; der Fahrbahn-Belag die eine oder andere Schippe Rollsplit vertragen könnte; sich neben der Straße Natursteinmäuerchen häufen und die Population sich auf drei Einwohner, aber zehn Schafe pro Quadratkilometer reduziert. Hier – fernab der Inspektor Barneby und Rosamunde Pilcher-Idylle, weit weg von jeglichem Großstadtgewühl. Hier – wo das Klima noch rau ist, der Wind Dir ungebremst um die Ohren pfeift…

Die Straße hatte was von einer Achterbahn

Die Straße hatte was von einer Achterbahn

So richtig wohl fühlst Du Dich natürlich, wenn Du Freunde an Deiner Seite hast, die sich hier auskennen. Nordwestlich von Harrogate findet sich so eine Gegend, wie sie typischer nicht sein könnte. Weitläufige, dünn besiedelte Naturschutzgebiete; ein Hügel neben dem anderen und Straßen, die so klein und eng sind, dass man Google Maps schon auf einen sehr großen Maßstab stellen muss, um die Verbindungslinien zwischen den winzigen Ortschaften überhaupt zu erkennen.

Vor der Mauer scharf nach links

Vor der Mauer scharf nach links

Dabei haben die Wege durchaus Bezeichnungen. Sie fangen mit einem B an und sind vierstellig. Aber das sieht man erst bei einem Google-Maßstab von einem Kilometer.

Erst zahlt man für die Angelei - dann noch für die Fische

Erst zahlt man für die Angelei – dann noch für die Fische

Vergiss Google, Deine Englandkarte oder Deine Navi-App des Handys. Mach einfach das Dach auf und fahr vertrauensvoll dem Vordermann hinterher! Ann navigiert, und Peter frönt seiner Lieblingsbeschäftigung: Er gibt Gas, und wir folgen entspannt, aber zügig. Zuerst waren die Orte noch so groß, dass sie sogar aus mehr als einer Straße bestanden, was ihrer Idylle jedoch keinen Abbruch tat. Sie waren so pittoresk und typisch, dass es schon beinahe kitschig wirkte.

Dann wurden die Asphaltbänder einsamer, hatten aber noch einen Mittelstreifen, der zwei Fahrbahnen trennte. Nach einer kurzen Pause in einem Fischerei-Resort, in dem man die Fische gegen stündliche Gebühr erst fischen und anschließend nach Gewicht bezahlen durfte, relativierte sich das mit dem Mittelstreifen sehr schnell.

Die Landschaft war einmalig schön

Die Landschaft war einmalig schön

Dafür gab es jetzt Mauern als beidseitige Begrenzung der Fahrbahn, und – zunächst jedenfalls – etwas breitere Stellen, an denen zwei Fahrzeuge einander passieren können.

Immer schön dranbleiben

Immer schön dranbleiben

Und: Wo Peter mit seinem Plus 8 durchpasst, können wir problemlos folgen.

Die Straßen werden sichtlich schmaler

Die Straßen werden sichtlich schmaler

Nach einer kleinen Pause in einem romantischen Tal, tauschten wir unsere Copilotinnen – schließlich hatten wir genug Fotos von Peters Plus 8-Heckansicht.

Pause - und Wechsel der Beifahrerin

Pause – und Wechsel der Beifahrerin

Ann traut sich zu mir ins Auto

Ann traut sich zu mir ins Auto

Also setzte sich Ann als Navigatorin auf unseren Beifahrersitz, und Dagmar kletterte samt Kamera in den Plus 8.

Gegenverkehr voraus

Gegenverkehr voraus

Einziger Nachteil: Jetzt musste ich mit Gasfuß vorausfahren und schnell reagieren, wenn es doch einmal Gegenverkehr gab, oder wenn sich eine Schafherde eigenmächtig nicht an die Grundstücksbegrenzungen hielt und die Straße als Erweiterung ihres Weidegebietes nutzte.

Gegenverkehr erforderte erhöhte Aufmerksamkeit

Gegenverkehr erforderte erhöhte Aufmerksamkeit

Bei solchen Hindernissen musste man reagieren

Bei solchen Hindernissen musste man reagieren

Stellenweise hatte es schon etwas von Achterbahn-Feeling: Bergan blickten wir direkt in den Himmel, konnten aber nicht sehen, was die Straße nach der Kuppe so trieb, oder ob wirklich niemand entgegenkam.

Über uns der Himmel

Über uns der Himmel

Dafür belohnte uns bergab wieder der volle Durchblick. Zwischendurch boten sich immer neue fantastische Ausblicke, wie auf das alte Eisenbahnbrücken-Viadukt.

Pause mit wunderschöner Aussicht

Pause mit wunderschöner Aussicht

Auch der eine oder andere Verkehrsteilnehmer gesellte sich zeitweilig zu uns. Oft Oldtimerfahrer, die gemächlich von dannen tuckerten.

Außer uns waren noch andere Klassiker unterwegs

Außer uns waren noch andere Klassiker unterwegs

Gerade rechtzeitig lud ein landestypischer Pub zum Verweilen ein. So ein paar Stunden Landstraßenhatz machen hungrig und durstig, und ein Guinness passt schon – auch wenn Teile von uns anschließend noch unsere Autos kutschieren mussten…

Rast im traditionellen Pub

Rast im traditionellen Pub

Hier war die Straße zumindest gut einzusehen

Hier war die Straße zumindest gut einzusehen

Auf der Rückfahrt liefen wir irgendwann sogar auf einen veritablen Rolls Royce auf.

Der Rolls Royce wurde auch schneller

Der Rolls Royce wurde auch schneller

An ein Überholmanöver war auf diesen Pfaden jedoch nicht zu denken. Aber irgendwie schienen ihn die zwei Sportwagen, die sich formatfüllend in seinem Rückspiegel breit machten, zu einer zügigeren Gangart zu animieren.

Und schließlich waren wir dann doch wieder am Ausgangspunkt unserer Tour angelangt. Unseren beiden Morgan und uns gönnten wir die Verschnaufpause. Den Boliden hat es bestimmt gefallen, denn sie wurden einen ganzen Tag lang artgerecht bewegt. Und wir hatten unvergessliche Eindrücke gewonnen sowie beim Fahren schiere Freude erlebt, wie sie nur in einem Morgan zuteilwird. Ein ursprüngliches Auto in einer urwüchsigen Landschaft.

Slow war nur als unverbindliche Empfehlung zu werten

“Slow” war nur als unverbindliche Empfehlung zu werten

Gerne wieder – jederzeit! Und einen herzlichen Dank an Ann und Peter für ihre Gastfreundschaft.

Erste Mogie Mädels Kaffeefahrt – Premiere!

Start am Hotel Gastwerk bei Regen

Start am Hotel Gastwerk bei Regen

5. September – 9 Uhr 30

Frühstück in Hamburg – die Frisur sitzt!

„Hab` ich mir doch gedacht, dass dies das Hauptproblem unserer Frauen ist…“ mag der geneigte Leser unseres Blogs innerlich ausgerufen haben, als er sich die Überschrift unserer kleinen Mädels-Tour ins Gedächtnis rief… Was er allerdings nicht wissen konnte, ist, dass meine Gedanken als Organisatorin dieser kleinen Premieren-Tour ausschließlich um das Wetter vor dem Fenster kreisten. Würde uns der Regen zur Absage zwingen? Sind wir alle trotz wenig ermunternder Voraussagen motiviert? Der vorabendliche Anruf bei Andrea, die immerhin gemeinsam mit ihrer Tochter Yasmin von Fehmarn anreisen wollte, hatte mich jedoch in meinem Vorhaben bestärkt. „Wir fahren auf jeden Fall – notfalls allein mit zwei Autos!“, so lautete ihre klare Ansage.

Also tankte ich nach dem Frühstück noch schnell meinen Plus 4, bevor Anna – meine „Navigateuse“ – und Ute, unerschrockene Morgan-Neufahrerin seit unserem gemeinsamen Sicherheitstraining in Embsen, sich am Treffpunkt vor dem Hotel Gastwerk einfanden.

11 Uhr 45

Ein banger Blick zum Himmel, bevor Anna und ich das schützende Haus verlassen: Es regnet heftig, doch ein kleiner roter Mogie hat sich vereinbarungsgemäß hinter unserem Leitfahrzeug eingefunden – mit einer strahlenden Ute: „Lasst uns schnell losfahren, dann fällt der meiste Regen sowieso vorbei…!“ Da das Roadbook erst am allgemeinen Treffpunkt übergeben werden soll, besteht Anna`s erste Aufgabe darin, ganz normal nach Straßenkarte zu navigieren – was sie bravourös meistert. Begleitet vom regelmäßigen Geräusch ihrer drei emsigen Scheibenwischer, Anfahrt für unsere beiden Schätzchen über Nebenstraßen zur Autobahnauffahrt Bahrenfeld; gleich hinter dem Tunnel weg vom Highway und auf Schleichwegen nach Hollenstedt – über eine verschlungene Waldstraße im Staatsforst Hamburg; vorbei am Kiekeberg-Museum in den Schwarzen Bergen; der zu jeder Jahreszeit landschaftlich schönsten Strecke südlich Hamburgs durch den Regionalpark Rosengarten folgend; unbekannte Ortsschilder wie „Bachheide“ oder „Grauen“ passierend; zwischen den Fischteichen beim Appelbecker See durchflutschend; erreichen wir fünf Minuten vor der vereinbarten Zeit unseren Gruppen-Treffpunkt nahe der BAB-Ausfahrt Hollenstedt. Gerade noch vor den anderen Teilnehmerinnen.

Pünktlich aus Fehmarn

Pünktlich aus Fehmarn

13 Uhr 07

Nach Andrea aus Lüneburg mit Copilotin Ute (der 2.) treffen nahezu zeitgleich Andrea (die 2.) aus Fehmarn und ihre Tochter Yvonne ein. Anna und Yvonne werden wohl keine Mühe haben, sich die ganzen unterschiedlichen Namen der Fahrerinnen zu merken…Kurze, leicht feuchte Lagebesprechung unterm großformatigen Regenbogen-Schirm mit Ausgabe eines Roadbooks nebst Taschenlampen-Kuli, der selbst beim Schreiben zusätzlich Licht spendet, und eines kleinen Traubenzucker-Motivationsbonbons an alle Besatzungen.

Die Roadbooks

Die Roadbooks

Am Treffpunkt - Gut gelaunt unterm Regenschirm

Am Treffpunkt – Gut gelaunt unterm Regenschirm

13 Uhr 25

Start in bunter Reihe: 4 Fahrzeuge sind nach zwei kurzfristigen Absagen schließlich dabei. Ute 1 fährt mangels eines persönlichen „weiblichen Navigationssystems“ direkt hinter uns und zum Abschluss Andrea 2 mit ihrem knallblauen Plus 8 – nach dem Abbiegen stets gut zu sehen. Ein kleiner Schlenker zur Einstimmung durch das einsame Dörfchen Ochtmannsbruch bringt uns zurück auf unsere Route über Drestedt, Dohren, Tostedt, Kampen und Welle nach Handeloh – vorbei an Maisfeldern, Sonnenblumen und farbenfrohen Gladiolen „zum Selberschneiden“ sowie vereinzelten, regenschirmtragenden Fußgängern. In Handeloh verlassen wir die gut befahrbare „gelbe“ Straße und begeben uns am Hinweisschild „Büsenbachtal“ auf ein kleines „weißes“ Sträßchen, das zur Verkehrsberuhigung von etlichen Bodenwellen unterbrochen wird, die ich aber bei meiner letzten Testfahrt am Donnerstag als gut befahrbar erlebt hatte. Inzwischen navigiert meine Anna übrigens sehr souverän nach unserem Mädels-Roadbook.

Meine souveräne Navigateuse Anna

Meine souveräne Navigateuse Anna

Mogies vorm Café im Schafstall

Mogies vorm Café im Schafstall

Mogie beschützt von einer alten Buche

Mogie beschützt von einer alten Buche

13 Uhr 45

Kurz bevor unser Weg wieder in dichter besiedelte Gegenden zurückfindet, biegen wir am Weltstadt-Bahnhof „Büsenbachtal“ in dasselbe ein, wo wir nach wenigen Metern auf der linken Seite unser Ziel sehen: das „Café im Schafstall“ (www.cafeschafstall.de), einen liebevoll ausgebauten ehemaligen Schafstall, wo es sich in kuscheliger Umgebung trefflich mit selbst hergestellten Leckereien „Brunchen“ und vor allem Kaffeetrinken lässt. Da Inhaberin Carla Hoffmann uns gestattet hat, in ihrem „Vorgarten“ zu parken, können wir unsere Mogies trotz der zahlreichen Fahrzeuge von Einschulungs-Gesellschaften problemlos unterbringen. Der herzlichen Begrüßung folgt jedoch am Buffet ein schwerwiegendes Problem: Für welchen der herrlich duftenden, appetitlichen Kuchen soll sich jede von uns entscheiden?

Heidespezialität Buchweizentorte

Heidespezialität Buchweizentorte

Pragmatische gemeinsame Entscheidung: 8 Sorten in die Mitte und für abweichende Gelüste zwei leckere, reich garnierte Avocado-Brote. „Schwesterlich“ geteilt, können wir nach erfolgtem Genuss leicht ein persönliches Geschmacks-Ranking aufstellen, bei dem wir uns ziemlich einig sind.

Aus dem Fenster sehen wir zwischenzeitlich strahlenden Sonnenschein, leichte Sommerwolken – und reichlich andere Café-Besucher, die sich in gewohnter Weise um unsere Oldies scharen und zahlreiche Fotos schießen. Gut gesättigt, beschließen wir, uns auf einen ausführlichen Heidespaziergang zu begeben – sicherheitshalber mit Schirm im Gepäck. Leider stelle ich beim Aufbruch fest, dass ein Café-Besucher meinen wunderschönen großen Schirm mitgenommen hat, obwohl er direkt neben unserem Tisch an einem Fachwerk-Ständer lehnte… Das hat aufgrund unserer intensiven „Benzin-Gespräche“ – wie Anna treffend bemerkt – keine von uns wahrgenommen. Schade, doch vielleicht findet das gute Stück ja auf wundersame Weise den Weg zu mir zurück…

Andere Touristen

Andere Touristen

15 Uhr 30

Direkt am Café beginnt das herrliche Büsenbachtal, eine überschaubare Heidefläche, die laut „Heidebarometer“ zu dieser Jahreszeit zu über 90 % blühen soll.

Heidespaziergang im Büsenbachtal

Heidespaziergang im Büsenbachtal

Das können wir nur bestätigen, denn um uns erstreckt sich auf dem gesamte Weg bis zum kleinen, immerhin 78 Meter hohen Aussichtspunkt, dem „Pferdekopf“, eine wunderbar erikafarben leuchtende, von Wacholderbüschen und kleinen Birken durchbrochene Heidefläche… wie sie Hermann Löns nicht schöner hätte beschreiben können.

Gruppenfoto auf dem Pferdekopf - 78 m über NN

Gruppenfoto auf dem Pferdekopf – 78 m über NN

Die Wege sind zwar stellenweise leicht feucht und auch ein kleiner Bachlauf will übersprungen werden, doch wir sind angemessen ausgestattet – keine Sommer-Sandaletten oder gar „High Heels“… Sonnenbeschienene Heideflächen und lichtdurchflutete Waldstücke lassen uns die morgendlichen Zweifel schnell vergessen! Obwohl wir noch gerne weiter gewandert wären, brechen wir nach dem obligatorischen – von einer Spaziergängerin erbetenen – Gruppenfoto auf. Denn mein Plan ist, auf dem weiteren Weg alle Teilnehmerinnen wohlbehalten zuhause abzuliefern – sozusagen mittels eines ganz speziellen „Morgan-Escort-Service“…

Ein letzter sehnsuchtvoller Blick zurück

Ein letzter sehnsuchtvoller Blick zurück

Heideimpressionen

Heideimpressionen

17 Uhr

Schweren Herzens Abfahrt im Büsenbachtal, beginnend mit der schwerwiegenden Frage: offen oder geschlossen? Zunächst starten wir – zugegebenermaßen etwas feige – mit geschlossenem Verdeck.

Die Frage - Dach öffnen oder nicht

Die Frage – Dach öffnen oder nicht

Doch nach wenigen hundert Metern verlockt uns der nur stellenweise bewölkte blaue Sonnenhimmel, anzuhalten und teils in Gemeinschaftsarbeit alle Autos zu öffnen. Eine richtige Entscheidung, denn unseren weiteren Weg können wir – wie es sich gehört – mit wehenden Haaren im Sonnenlicht und artgerecht offen zurücklegen.

Klar - notfalls im Team

Klar – notfalls im Team

Zunächst genießen wir noch einmal vom Auto aus die Heideblüte von Inzmühlen über Wesel nach Undeloh. In Egestorf, Lübberstedt, Eyendorf und Salzhausen passieren wir etliche Reitsporthallen, Turnierplätze und Ausstattungsscheunen für die Liebhaber des Sports mit einer Pferdestärke.

Wagenbesatzungen

Wagenbesatzungen

Geschafft - endlich Wind in den Haaren

Geschafft – endlich Wind in den Haaren

Lüneburg rechts liegen lassend, verabschieden wir in Kirchgellersen mit herzlicher Umarmung und dem abgenommenen Versprechen, im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder eine Tour zu organisieren, Andrea und Ute.

Schade - Tschüß in Kirchgellersen

Schade – Tschüß in Kirchgellersen

Anschließend setzen wir unsere Fahrt mit nunmehr 3 Mogies über so bekannte Orte wie Vögelsen, Bardowick, Hunden und Tönnhausen fort, wo uns an einem kurvigen kleinen Sträßchen entlang eines von Trauerweiden eingefassten Bachlaufes wenige Autofahrer, dafür aber einige Graureiher begegnen. Weiter geht die gemächliche Fahrt nach Laßrönne. Dort beginnt ein Streckenabschnitt auf der Elbuferstraße hoch oben auf dem Deich mit herrlichem Blick auf den Fluß. Ein kleiner Abstecher zur Anlegestelle der winzigen Elbfähre von Hoopte zum Zollenspieker Fährhaus und anschließend Treffpunkt bei „Grube“, wo wir uns zum erfolgreichen Abschluß unserer Fahrt ein oberleckeres Kräutermatjes-Brötchen gönnen. Mmmmh!

Lecker - Kräutermatjesbrötchen bei Grube

Lecker – Kräutermatjesbrötchen bei Grube

Schließlich ist unsere „spärliche“ Kaffeetafel eine ganze Weile her! Die Einladung zum Abendessen mit einer gutgelaunten Motorradgruppe aus Berlin schlagen wir übrigens schweren Herzens (!) aus… und kündigen lieber zuhause unsere baldige Ankunft an.

Jetzt ab nach Hause

Jetzt ab nach Hause

19 Uhr

Obwohl ein paar einzelne Regentropfen fallen, beschließen wir, das Dach nicht zu bewegen. Und wir haben Glück bis zum Ende unserer Tour! Nach einem letzten Stück Weges am Deich entlang, verabschieden wir das vorletzte Team – Andrea und Yasmin – in Neuland an der A 1 und in Richtung Fehmarn!

Das sieht nicht nach einer trockenen Heimkehr aus

Das sieht nicht nach einer trockenen Heimkehr aus

Nachdem sich der Kreis unserer Rundfahrt an der Autobahnauffahrt Moorburg geschlossen hat, fahren wir – ob der zahlreichen dunklen Wolken um uns herum mit bangen Gefühlen – gen Elbtunnel und liefern auch Ute „ohne nennenswerten Wasserschaden“ zuhause ab.

Bis zum Schluß stets den Rückspiegel im Blick

Bis zum Schluß stets den Rückspiegel im Blick

20 Uhr

Wohlbehalten daheim. Alles gut gegangen – nicht ein einziges Mal musste unser „rettender Telefon-Engel im Hintergrund“, Frank Schauer, Oberschrauber im Morgan Park, angerufen werden! Das schönste Ergebnis unserer 1. Mogie – Mädels – Kaffeefahrt waren für mich die freundschaftliche Atmosphäre, die tolle Stimmung und der allgemein geäußerte Wunsch: „Bei der nächsten Tour fahren wir auf jeden Fall wieder mit!“

Wir sehen uns 2016!

Fahrbericht Morgan Plus 4 Super Sports

Landstraßen - das ideale Revier

Landstraßen – das ideale Revier

Plus 4 Super Sports Modelle haben bei Morgan eine lange Tradition – wie so viele Dinge. Morgan besteht eigentlich fast nur aus Tradition, aber diese spezielle ist nicht nur lang, sondern auch erfolgreich. Der erste Vertreter dieser Plus 4 Sondermodelle war der berühmte TOK 258, den Chris Lawrence erwarb. 1956 wurde er zugelassen – nur zwei Jahre nach dem Facelift des vierrädrigen Morgan. Mit diesem besonderen Wagen und Richard Shepherd-Barron an seiner Seite, gelang ihm 1962 bei den 24 Stunden von Le Mans der legendäre Sieg in der 2-Liter-Klasse.

Plakette und Gravur - Nummer 53 von 60

Plakette und Gravur – Nummer 53 von 60

Eigentlich hat sich seit 1956 überhaupt nicht viel geändert. Gut, der Super Sports von Chris Lawrence leistet – trotz Tuning – „nur“ 128 Pferdestärken, aber wir reden schließlich von 1956! Ullis Super Sports stammt aus dem Jahr 2012 und ist die Nummer 53 der „60th Anniversary Edition“, die – nomen est omen – auf 60 Exemplare limitiert wurde. Bei Morgan gibt es halt immer etwas zu feiern… Hier war der Anlass das 60-jährige Jubiläum der Plus 4-Modellreihe. Deutlich sichtbar durch eine Plakette am Armaturenbrett, eine Gravur auf dem Hupenknopf sowie einen Schriftzug im Kombi-Instrument.

Die Jubiläumsplakette

Die Jubiläumsplakette

Doch eine Plakette und eine Gravur machen noch lange keinen Sportwagen… Wie ernst es dem Werk mit dieser Idee aber war, zeigen zum einen das klassische Motortuning mit u.a. veränderten Drosselklappen und einem Sportauspuff, die aus dem 2-Liter Saugmotor 205 statt der serienmäßigen 145 PS zaubern und zum anderen ein geändertes Fahrwerk mit Versteifungen am Vorderwagen, einstellbaren Stoßdämpfern und einer verstärkten Bremsanlage.

Da wo TOW steht ist das Abschleppseil drunter

Da wo TOW steht ist das Abschleppseil drunter

Ganz Rennwagen - Abschleppseil griffbereit eingebaut

Ganz Rennwagen – Abschleppseil griffbereit eingebaut

Hinzu kommen alle Insignien eines klassischen Rennsportwagens wie Feuerlöschsystem, Überrollbügel, schwarze 15 Zoll Minilite-Felgen mit 3-flügeligem Zentralverschluss und 205/65er Semislick-Bereifung, Not-Aus-Schalter für die Bordelektrik und vieles mehr – von Stoppuhren, einem traditionellen 4-Speichen-Lenkrad bis hin zu perforierten Ledereinsätzen und einer dezenten neongelben „Kriegsbemalung“ auf der RAF-blauen Karosserie.

Die Stoppuhren für Rallye und Rundstrecke

Die Stoppuhren für Rallye und Rundstrecke

Ulli hat sich noch ein paar „Schmankerl“ dazu bestellt wie Scheibenbremsen an den Hinterrädern, Zusatzscheinwerfer und zwei Brooklands-Scheiben. Damit kann für den Renneinsatz die Frontscheibe mit ihren 4 Schrauben ausgetauscht und das Gewicht reduziert werden.

Eigentlich wurde der Wagen nur als Rechtslenker gebaut, und die 60 Exemplare sollten für die auf der Insel so beliebten Clubsport-Rennen reserviert sein. Aber natürlich lässt sich so ein Auto auch auf Linkslenker umrüsten und auf dem Kontinent für die Straße zulassen. So fanden einige dieser Renner den Weg auch nach Deutschland. Wie die Nummer 53.

Aber wir wollen ja fahren… Dankenswerterweise stellte Ulli uns den Wagen während der vergangenen „Classic Days auf Schloss Dyck“ zur Verfügung. Damit konnten wir nicht nur standesgemäß zwischen 60 anderen Morgan auf dem „Miscanthusfeld“ parken; wir hatten auch die Gelegenheit, ihn ausgiebig zu fahren.

Nach dem Platznehmen im Cockpit fallen zunächst zwei Dinge auf: Der dickere Lenkradkranz verdeckt einen Teil des Tachos, und um den Geschwindigkeitsbereich zwischen 80 und 120 km/h nicht nur abzuschätzen, sondern auch abzulesen, muss der Pilot den Kopf zur Seite neigen. Ferner wird das Blickfeld im zentralen Rückspiegel dadurch erschwert, dass der massive Überrollbügel die Fläche nahezu vollständig einnimmt.

Der Überrollbügel behindert die Sicht Sicht nach hinten

Der Überrollbügel behindert die Sicht Sicht nach hinten

Aber erstens zählt auf der Piste nur die Drehzahl und zweitens der freie Blick nach vorn, um die Ideallinie zu treffen…

Das Anlassen des Motors funktioniert bei diesem Boliden mittels eines Starterknopfes – zumindest, wenn man nicht vergessen hat, den Knauf des Not-Aus-Schalters vor der Beifahrerseite auf der Motorhaube aufzustecken und umzudrehen. Sonst tut sich nämlich gar nichts!

Vor dem Starten Strom einschalten

Vor dem Start Strom einschalten

Also – Gentlemen: Start your engine! Ein wenig lässt er sich schon bitten, bevor er leise sprotzelnd seinen Dienst aufnimmt. Bemerkenswert ist dabei vor allem das Ansauggeräusch, das nahezu ungefiltert nach innen gelangt.

Die Anfahrprozedur gelingt einfach und völlig unspektakulär. Das Mazda-Getriebe flutscht lässig durch die Gangkulisse, der Kupplungsweg ist kaum verändert und von einer Leistungsexplosion von immerhin 60 Mehr-PS zum Plus 4 ist zunächst nichts zu spüren.

Des Rätsels Lösung ist die Motorcharakteristik.

Das Kraftpaket

Das Kraftpaket

Der „normale“ Plus 4 von 2012 leistet 145 PS bei 6.050 Umdrehungen. Der Super Sports bringt 205 PS bei 6.100 Touren. Von daher müsste er also abgehen wie Schmidts Katze. Aber vergleicht man das Drehmoment, so fallen die Unterschiede marginal aus: 187 Nm bei 4.600 U/min gegenüber 187 Nm bei 4.500 U/min beim Plus 4.

Wo er die Leistung wirklich versteckt hat und wie man sie ihm entlockt, zeigt ein Blick auf den Drehzahlmesser: Wenn beim Plus 4 der rote Bereich bei 6.500 U/min zum Schalten mahnt, dreht der Super Sports lässig weiter und er bekommt so etwas wie seine zweite Luft.

Der rote Bereich beginnt bei 7700 Umdrehungen

Der rote Bereich beginnt bei 7700 Umdrehungen

Erst bei 7.700 Umdrehungen ist Schluss mit lustig. Aber im Zusammenspiel mit dem lang übersetzten 2. Gang zeigt der Tacho schon fast 120 km/h. Das heißt auf der Rennstrecke, aber auch auf kurvigen Landstraßen: Für eine zügige, schnelle Fortbewegung ist der 2. Gang die richtige Empfehlung. Gewürzt wird das Vergnügen durch eine einzigartige Geräuschkulisse, ein heiseres Konzert aus Ansaug- und Auspuffklängen; besonders intensiv zu erleben unter Brücken und Unterführungen. Dieses Geräusch birgt schon einen hohen Suchtfaktor.

Dagmar hatte beim Shooting das berühmte Dauergrinsen im Gesicht

Dagmar hatte beim Photo-Shooting das berühmte Dauergrinsen im Gesicht

Apropos Kurven – die gemeine Landstraßenkurve ist mit dem straffen Fahrwerk bei angewärmten Reifen kaum auszureizen. Das verbieten der Verstand und die Straßenverkehrsordnung. Aber gerade bei Autobahnauffahrten zeigt der Super Sports, was er kann und lässt so ziemlich alles hinter sich, was zwei, drei oder vier Räder hat…

Der Super Sports von vorn

Der Super Sports von vorn

Geringes Gewicht sorgt hier in kollegialer Zusammenarbeit mit dem tiefen Schwerpunkt, der mit dem Vierzylinder optimalen Gewichtsverteilung, dem sportlich abgestimmten Fahrwerk sowie den Renn-Gummis für ein Fahrerlebnis der besonderen Art. Jedenfalls reichte mein Mut nicht aus, um auch nur in die Nähe der Haftgrenze der Reifen zu kommen.

Aus allen Blickwinkeln eine Augenweide

Aus allen Blickwinkeln eine Augenweide

auch von vorn

… auch von vorn

Liebend gern würde ich den Super Sports einmal auf einer abgesperrten Piste mit veritablen Auslaufzonen fahren! Aber Spa, Zantvoort, Assen, Zolder, Hockenheim oder die Nordschleife sind leider zu weit weg für einen kurzen Abstecher. Wie sich diese Reifen allerdings bei Regen anfühlen, möchte ich nicht wirklich testen. Doch für uns strahlte die Sonne und wärmte den dunklen Asphalt auf gut und gerne 50 Grad. Ideale Voraussetzungen.

Lenkung und Bremsen boten das aus dem Plus 4 gewohnt sichere Gefühl – trotz der vier Scheiben und des fehlenden ABS.

Resümee: ein toller Motor, mit dem sich auch gemütlich bummeln lässt. Ein Fahrwerk, das über jeden Zweifel erhaben ist und dessen Grenzen sich nur auf abgesperrtem Gelände ausloten lassen.

Einfach nur ein schöner Anblick

Einfach nur ein schöner Anblick

Falls der eine oder andere Leser jetzt ein gewisses Kribbeln im Nacken verspüren und Appetit auf den Wagen haben sollte, stellen wir gern den Kontakt zu seinem derzeitigen Besitzer her. Denn der Super Sports ist nicht sein einziger Morgan – und er würde ihn eventuell sogar verkaufen… wenn das Angebot stimmt.

Der Hintergrund - Garzweiler II

Der Hintergrund Garzweiler II

 

 

Das große Eschen-Sterben

Ein Morgan Plus 8 Speedster im Herbstlaub

Ein Morgan Plus 8 Speedster im Herbstlaub

Auf fach-chinesisch heißt er „Chalara Fraxinea“, dieser unselige Pilz… Bei uns trägt er den harmlosen Namen „weißes Stengelbecherchen“. Eigentlich kannte man ihn bereits im 19. Jahrhundert. Damals interessierte sich jedoch niemand für ihn, er war schlichtweg ein harmloser kleiner Geselle.

Esche Wikipedia

Esche – Foto Wikipedia

Wie und weshalb er zum Monster mutierte, ist bis heute nicht so ganz klar. Jedenfalls befällt er auf einmal Eschen und sorgt für deren Exitus – nach langem Siechtum. Zuerst im Baltikum und Polen, jetzt auch zunehmend in Österreich, der Schweiz, Tschechien, Slowenien, Skandinavien – allein in Dänemark haben sich in nur sieben Jahren 90% des Bestands infiziert! Und der Pilz verbreitet sich weiter. Nach Deutschland – und England!

Befallene Esche - Foto Wikidedia

Befallene Esche – Foto Wikidedia

Und spätestens jetzt schrillen beim geneigten Leser des Morgan Blogs alle Alarmglocken! Eschensterben in England – um Gottes willen! Wo doch seit über 100 Jahren Eschenholz wesentlicher Bestandteil eines Morgan ist – gleichgültig welcher Baureihe! Allein bei den traditionellen Modellen werden 96 kleine und große Teile aus dem heimischen Holz verbaut! Und nun?

Ein Gegenmittel ist bislang nicht gefunden; die Wissenschaftler sind ratlos. Sie können dem Treiben des Pilzes nur zuschauen und versuchen, die Übertragungswege zu analysieren. Um eine Ansteckung zu vermeiden.

Das Werk in Malvern Link ist alarmiert. Allerdings nicht erst heute, sondern mindestens seit 2010, als das Eschensterben erste bedrohliche Formen annahm.

Die Regale sind gut gefüllt - alles Eschenholz

Die Regale sind gut gefüllt – alles Eschenholz

Noch gibt es Holznachschub – noch sind die Lagerregale gut gefüllt. Und auch, als wir im Mai dieses Jahres in England waren, nahmen wir nichts von diesem Problem wahr – weder im Werk noch in den Wäldern.

Ein Holzrahmen aus Esche wird gebaut

Ein Holzrahmen aus Esche wird gebaut

Wir sind aber sicher, dass es schon einen „Plan B“ gibt… Welche Holzart in einigen Jahren das „Rückgrat“ eines Morgan bilden wird, ist noch offen – zumindest ist es uns nicht bekannt. Dass es Holz sein wird, da sind wir uns aber sicher!

Holzbiegeform

Die alte Holzbiegeform wird auch in Zukunft noch gebraucht